Projekt »Wahl des Geburtsortes«.
Eine Orientierungshilfe für werdende Eltern
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Hause (§ 24f SGB 5; Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz [BMJV], o. D.). Für die außerklinische Geburt gibt ein Risikokatalog der Krankenkassen strenge medizinische Ausschlusskriterien vor, unter welchen eine Haus- oder Geburtshausgeburt nicht möglich ist (GKV-Spitzenverband, 2020). Trifft kein Ausschlusskriterium zu, ist eine außerklinische Geburt eine sichere Alternative für Mutter und Kind (Gesellschaft für Qualität in der außerklinischen Geburtshilfe e. V., 2024).
Das nationale Gesundheitsziel »Gesundheit rund um die Geburt« von 2017 benennt fünf konkrete Vorhaben zu einer verbesserten Versorgung in dieser vulnerablen Lebensphase (Bundesministerium für Gesundheit [BMG], 2017). Das zweite Ziel fordert explizit, dass eine physiologische Geburt ermöglicht und aktiv unterstützt werden soll. Um dieses Ziel zu verwirklichen, benötigen werdende Eltern qualitätsgesicherte Informationen über die physiologische Geburt, zur geburtshilflichen Betreuung durch die verschiedenen Berufsgruppen und zu allen Geburtsorten. Die Bereitstellung von evidenzbasierten Materialien, die eine Hilfestellung zur selbstbestimmten Entscheidungsfindung geben, ist eine der Kernaufgaben des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). Das Referat »Familienplanung, Verhütung« informiert bereits jetzt auf seiner Website www.familienplanung.de zu unterschiedlichen Geburtsorten (Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit [BIÖG], o. D.). Im Rahmen des Projekts »Wahl des Geburtsortes« sollen diese Informationen
Austausch mit dem IQWiG
Auch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) setzt dieses Jahr einen Schwerpunkt auf das Thema »Geburt«. Auf der Website www.gesundheitsinformation.de des Instituts wird ein Text im Format »Mehr Wissen« zur Wahl des Geburtsortes informieren (Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen [IQWiG], o. D.]. Eine Entscheidungshilfe im PDF-Format wird den werdenden Familien außerdem eine konkrete Unterstützung an die Hand geben. Die Entscheidungshilfen des IQWiG haben sich bereits bewährt und sind zu vielfältigen Themen verfügbar.
Für die Informationen zur Wahl des Geburtsorts sollen folgende Fragen im Fokus stehen:
- Klinik, Geburtshaus, Hausgeburt – was sind die Unterschiede? Welche Wahlmöglichkeiten habe ich?
- Wie werde ich bei einer außerklinischen Geburt medizinisch versorgt?
- Was gibt es bei der Entscheidung, wo mein Kind zur Welt kommen soll, zu bedenken?
- Wie finde ich eine Klinik, ein Geburtshaus oder eine Hebammenbegleitung?
Das Bundesministerium für Gesundheit hatte das IQWiG beauftragt, im Rahmen des Aktionsplans »Gesundheit rund um die Geburt« Entscheidungshilfen zu relevanten Entscheidungssituationen rund um Schwangerschaft und Geburt zu erstellen. Die Informationen zur Wahl des Geburtsorts werden im Rahmen dieses Projekts erstellt. Die Informationen werden nach und nach unter www.gesundheitsinformation.de/geburt.html veröffentlicht. Weitere Informationen zum Projekt finden sich auf www.iqwig.de.
Das Referat »Familienplanung, Verhütung« des BIÖG steht dieses Jahr eng im Austausch mit dem IQWiG und entwickelt begleitend zu der textbasierten Entscheidungshilfe ein interaktives Online-Tool, das die Frauen und werdenden Eltern niederschwellig über die Unterschiede verschiedener Geburtsorte aufklären soll. Das Tool soll dabei unterstützen, Präferenzen und Wünschen für das eigene Geburtserlebnis zu reflektieren und gleichzeitig eine Orientierung geben, inwiefern diese an den unterschiedlichen Orten Berücksichtigung finden können.
Verbindung von Kompetenzen
Das IQWiG führt eine umfassende Literaturrecherche durch und stellt in seinen Informationen den aktuellen Stand der Evidenz zu den Vor- und Nachteilen unterschiedlicher Geburtsorte leicht verständlich dar. Außerdem hat es die qualitative Forschung mit Blick auf potenzielle Informationsbedürfnisse und Erfahrungen von Schwangeren analysiert.
Eine der Stärken des BIÖG liegt darin, praxisnahe Informationen bereitzustellen. Im Rahmen des Projekts »Wahl des Geburtsortes« wurden daher qualitative Interviews mit Akteuren und Akteurinnen aus dem Themenfeld durchgeführt und so Perspektiven von Hebammen, Frauenärzten und Frauenärztinnen sowie der Elternvertretung »motherhood« gesammelt und ausgewertet. Die leitende Frage war hierbei: Was benötigen werdende Mütter und Familien, damit sie eine selbstbestimmte Wahl des Geburtsorts treffen können?
Diese fachlichen Perspektiven werden ergänzt mit der Sichtweise werdender Eltern und junger Familien, welche von Februar bis Mai 2026 über eine Onsite-Zielgruppenbefragung an einer Umfrage zur Wahl des Geburtsorts teilgenommen haben. Über den niederschwelligen Zugang auf der Website familienplanung.de wurden fast 4 500 Fragebogen ausgefüllt, die in einem nächsten Schritt ausgewertet und mit den Ergebnissen der qualitativen Befragung zusammengebracht werden sollen. Die Daten der Online-Umfrage liefern dabei sowohl wichtige Informationen über die Wünsche der Frauen für eine bevorstehende Geburt als auch die Retrospektive von Frauen, die vor Kurzem eine Geburt erlebt haben. Es wurden unter anderem folgende Fragen beantwortet: Was ist den Frauen wichtig? Wie zufrieden sind sie im Rückblick mit ihrer Entscheidung?
Mehr Orientierung
Die Materialien von BIÖG und IQWiG bieten wissenschaftlich fundierte Informationen zur Wahl des Geburtsorts und dienen als Orientierungshilfe für werdende Eltern. Dadurch soll ein größeres Bewusstsein für die freie Wahl des Geburtsorts sowie für die Eigenschaften der einzelnen Geburtsorte geschaffen werden. Mithilfe der textbasierten Entscheidungshilfe des IQWiG und eines interaktiven Online-Tools sollen werdende Mütter außerdem dazu angeregt werden, sich über ihre Präferenzen klar zu werden. In Zeiten des Informationsüberschusses im Internet und durch Social Media bieten die Angebote somit eine wissenschaftlich fundierte Alternative und füllen eine Lücke in der Versorgungslandschaft
Literatur
Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (o. D.). Klinik, Geburtshaus oder Hausgeburt: wohin zur Geburt? https://www.familienplanung.de/schwangerschaft/geburt/geburtsvorbereitung/klinik-geburtshaus-oder-hausgeburt
Bundesministerium für Gesundheit (2017). Nationales Gesundheitsziel: Gesundheit rund um die Geburt [Broschüre]. https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/5_Publikationen/Gesundheit/Broschueren/Nationales_Gesundheitsziel_-_Gesundheit_rund_um_die_Geburt_barrierefrei.pdf
Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) (o. D.). § 24f SGB V – Entbindung. https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__24f.html
Gesellschaft für Qualität in der außerklinischen Geburtshilfe e. V. (QUAG e. V.) (2024). QUAG Bericht 2024. https://www.quag.de/downloads/QUAG_Bericht2024.pdf
GKV-Spitzenverband (2020). Beiblatt 1: Kriterien zu Geburten im häuslichen Umfeld (Anlage Qualitätsvereinbarung zum Vertrag nach § 134a SGB V) [PDF]. https://www.gkv-spitzenverband.de/media/dokumente/krankenversicherung_1/ambulante_leistungen/hebammen/20200401_Hebammen_Anlage_zur_Vereinbarung_-_Beiblatt_1_Kriterien_zu_Geburten_im_haeuslichen_Umfeld_Anlage_3_QV_final.pdf
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (o. D.). Geburt. Gesundheitsinformation.de www.gesundheitsinformation.de/geburt.html
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (o. D.). Gesundheitsinformation.de. www.gesundheitsinformation.de
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (o. D.). IQWIG – Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. https://www.iqwig.de/
Alle Links und Literaturangaben beziehen sich auf das Erscheinungsdatum der jeweiligen Druckausgabe und werden nicht aktualisiert.
Zitation
Rixgens, F., Doré, A., & Siegert, S. (2026). Projekt »Wahl des Geburtsortes«. Eine Orientierungshilfe für werdende Eltern. FORUM Sexualaufklärung und Familienplanung: Informationsdienst des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), 1, 82–84.
Download Zitation (RIS)Veröffentlichungsdatum
Felicitas Rixgens ist Werkstudentin im Referat S2 – Familienplanung, Verhütung der Abteilung S – Sexualauf-klärung, Verhütung und Familienplanung im Bundes-institut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), ehemals Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).
Kontakt: Felicitas.Rixgens(at)bioeg.de
Anastasia Doré, Dr., ist Referentin im Referat S2 – Familienplanung, Verhütung und wissenschaftliche Referentin im Referat S3 Aufgabenkoordinierung, Nationale und internationale Zusammenarbeit, Forschung und Fort-bildung der Abteilung S – Sexualaufklärung, Verhütung und Familienplanung im Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), ehemals Bundeszentrale für gesund-heitliche Aufklärung (BZgA).
Kontakt: Anastasia.dore(at)bioeg.de
Sonja Siegert ist stellvertretende Chefredakteurin im Ressort Gesundheitsinformation des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).
Kontakt: Sonja.Siegert(at)iqwig.de
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Herausgebende Institution
Artikel der Gesamtausgabe
- Wie geht es den Frauen in Deutschland?
- Menarche und Sexuelle Bildung – Jugendsexualität 10. Welle
- »Welche Verhütung passt zu mir?« Eine digitale Entscheidungshilfe und ihre Evaluation
- Peripartale psychische Erkrankungen
- Endometriose als gesundheitliches und gesellschaftliches Problem
- Der Kaiserschnitt. Eine Bewertung aus Perspektive der Geburtshilfe
- Der Beckenboden nach der Geburt: Probleme nicht verschweigen, sondern behandeln!
- Verhütungsbedarf und Verhütungspraxis bei Frauen im Alter von 40 bis 44 Jahren
- Die Menopause als biopsychosozialer Übergang – Herausforderungen für die ärztliche Versorgung
- Alles Menopause oder was?! Kulturhistorische und psychosomatische Aspekte
- Frauengesundheit und FemTech: Zwischen Innovationspotenzial und systemischen Hürden
- Projekt zu Menstruation und Früherkennung von Endometriose
- Projekt »Wahl des Geburtsortes«.
- Leipzig Reproductive Health Research Center (LE-REP)
- Forschungsprojekt »WECHSELZEIT«
- Pilotprojekt zur Frage rassistischer Diskriminierung in der Geburtshilfe
- Eine Studie des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen
- Infothek