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FORUM 1–2026

Endometriose als gesundheitliches und gesellschaftliches Problem

Endometriose ist eine sehr häufige Erkrankung, die viele Frauen in ihrer hormonell aktiven Phase betrifft. Neben den als typisch geltenden Schmerzen bei der Periode (Dysmenorrhoe) werden nicht selten sämtliche Lebensbereiche der betroffenen Frauen beeinflusst. Das macht die Endometriose gleichzeitig zu einem gesellschaftlichen Problem und einer dringenden Aufgabe.

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Die Entstehung der Endometriose ist noch nicht vollständig verstanden. Grundsätzlich findet sich bei Endometriose Gebärmutterschleimhaut- ähnliches Gewebe auch außerhalb der Gebärmutterhöhle, was durch die zyklischen Blutungen entsprechende Probleme auslöst. Wahrscheinlich gibt es für die verschiedenen Formen der Endometriose auch unterschiedliche Mechanismen der Entstehung. Die häufigste Lokalisation ist das Bauchfell (Peritoneum), wie in Abbildung 1 zu sehen ist. Eine der ältesten Entstehungstheorien ist die nachweisbare »retrograde Menstruation«, bei der Monatsblut während der Periode nicht nur über die Scheide nach außen, sondern auch »retrograd« über die Eileiter in den Bauchraum gelangt. Dort können sich im Bauchfell Endometrioseherde bilden (Zondervan, Becker & Missmer, 2020). Hierdurch sind nicht selten auch die Eierstöcke involviert, die mit »schokoladenartiger « Flüssigkeit gefüllte Zysten bilden. Die Endometriose in der Gebärmutterwand (Adenomyose) entsteht wahrscheinlich durch Kontraktionen der Gebärmuttermuskulatur, durch die Gebärmutterschleimhaut in die Wand gedrückt wird. Eine besondere Form ist die tief infiltrierende Endometriose (DIE – Deep Infiltrating Endometriosis), welche in Darm, Blase, Harnleiter etc. einwächst und nicht nur entsprechende Beschwerden, sondern auch Organschäden verursachen kann. 

 

Die schmerzhafte Periode als Hauptsymptom der Endometriose betrifft sehr häufig junge Mädchen am Beginn der Pubertät und wird multifaktoriell beeinflusst. Eine Unterscheidung zwischen »normalen« und »pathologischen« Schmerzen ist nicht einfach. Leider vergehen nicht selten viele Jahre, bis das Vorliegen einer Endometriose über eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) gesichert wird. Die Wahrscheinlichkeit, dabei Endometriose nachzuweisen, ist sehr hoch. Studien zufolge liegen die Häufigkeiten bei Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch bzw. mit Unterbauchschmerzen bei etwa 50 Prozent bzw. bis zu 80 Prozent (Van Gestel et al., 2024; American Society for Reproductive Medicine, 2012). Nimmt man die Fluoreszenz- gestützte Farbstoffmarkierung zur Unterstützung, sind diese Zahlen noch viel höher, sodass bei fast jeder Frau Endometriose gesehen werden kann (Siegenthaler et al., 2020). Nicht bei jeder Frau, bei der Endometriose nachgewiesen wird, ist die Endometriose Ursache für ihre Beschwerden. Im Rückschluss bedeutet dies, dass ein Teil der Frauen Beschwerden hat, die nicht durch Endometriose bedingt sind, was den Behandlungserfolg erheblich beeinflusst. 

Damit stellt sich die Frage, warum Endometriose bei einem Teil der Frauen Probleme verursacht, während sie bei anderen mehr oder weniger asymptomatisch bleibt. Hier scheint das Immunsystem eine ganz wesentliche Rolle zu spielen. Von den Frauen, die mit Endometriose Probleme haben, leiden signifikant bis zu 80 Prozent häufiger unter Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto-Thyreoditis (Schilddrüsenentzündung), chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, Rheuma etc. bis hin zur Fibromyalgie (Shigesi, Harris et al., 2025; Shigesi, Kvaskoff et al., 2019). 

Das sind alles Erkrankungen, bei denen das Immunsystem körpereigenes Gewebe angreift. Man kann sich gut vorstellen, dass dies bei der Endometriose ähnlich verlaufen kann – der Körper »kämpft« gegen die Endometrioseherde. 

Nicht selten liegt somit bei Frauen mit Endometriose eine Mixtur aus ganz verschiedenen Beschwerden vor. Daneben gibt es Fälle, wo trotz Endometriosenachweis die klassische Behandlung durch eine Operation und/oder Hormone keine Effekte zeigt. Dies hat der Endometriose die Bezeichnung »Chamäleon« eingebracht. Daher ist es sinnvoller, individuell nach der optimalen Behandlungsstrategie zu suchen.

Gesellschaftliche Bedeutung der Endometriose

Endometriose kann mit ihren Symptomen und Einschränkungen das gesamte Leben einer Frau maximal beeinflussen und einschränken. Dies hat neben dem Einfluss auf das Privatleben eine erhebliche gesellschaftliche Bedeutung. Wie jede Erkrankung wirkt die Endometriose mit den Beschwerden in die Partnerschaft hinein. Hier entfaltet sie z. B. durch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder die erheblich eingeschränkten sozialen Aktivitäten häufig negative Auswirkungen auf die Beziehung, wie sich in Befragungen deutlich zeigt. Dazu kommen nicht selten noch die physischen und psychischen Nebenwirkungen der operativen und/oder hormonellen Behandlung bzw. die Belastungen durch den unerfüllten Kinderwunsch. Abbildung 2 stellt den erheblichen Einfluss der Endometriose auf die Partnerschaft aus der Sicht beider Partner dar.

Auch das Berufsleben wird durch die Endometriose erheblich beeinflusst. Untersuchungen zufolge verlieren Frauen mit Endometriose im Durchschnitt einen Arbeitstag während der Periode und erleben zusätzlich 65 Prozent der Arbeitszeit als weniger produktiv durch die Beschwerden (Fourquet et al., 2011). Die Betroffenen verlieren hierdurch wertvolle Jahre ihrer beruflichen Karriere und nehmen signifikant seltener an Weiterbildungsmaßnahmen teil (Røssell et al., 2025). Dies schlägt sich dann auch in einem deutlich geringeren Gehalt und schlechteren Aufstiegschancen nieder (Estes et al. 2020; Sperschneider et al., 2019). Das bedeutet erhebliche Kosten für die Gesellschaft, wobei die zusätzlich erforderlichen finanziellen Aufwendungen der häufiger notwendigen Kinderwunschbehandlung noch gar nicht eingerechnet sind (Armour et al., 2019). Gelingt es aber, die durch die Endometriose verursachten Beschwerden zu verringern, werden auch die gesellschaftlichen Kosten durch eine gestiegene Produktivität vermindert (Pokrzywinski et al., 2020). Hier muss dringend weiter angesetzt und die Situation für die betroffenen Frauen verbessert werden.

Was ist die Lösung?

Reha, Endometriosezentren … die eine Lösung gibt es leider nicht. Wahrscheinlich ist ein Umdenken aller Beteiligten erforderlich. Weil es nicht »die eine Lösung« gibt, muss jede betroffene Frau individuell betrachtet werden. Sicher muss jeder behandelnde Arzt, jede Ärztin, mehr über Endometriose wissen und die Frauen entsprechend qualifiziert beraten. Hilfreich sind die Endometriosezentren, wobei nicht gute Werbemaßnahmen zählen, sondern die gebotene Versorgungsqualität gewährleistet sein muss. Jede Frau mit Beschwerden durch Endometriose braucht leider viel Geduld und Durchhaltevermögen. Hilfreich (aber schwierig) sind trotz aller Einschränkungen Gelassenheit und das »Offenbleiben für Neues« auf ihrem Weg mit dieser Erkrankung. Auch die Gesellschaft muss die Problematik Endometriose in ihrer ganzen Tragweite erkennen und aktiv angehen. Hier geht die Initiative des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) in die richtige Richtung. Das BMFTR fördert die Bereiche reproduktive Gesundheit und Endometriose maßgeblich, um die Versorgung von Betroffenen durch bessere Diagnostik und neue Therapien zu verbessern. In diesem Rahmen werden deutschlandweit fünf universitätsmedizinische Zentren (u. a. in Leipzig, Ulm, Hamburg, Münster und Jena) gefördert. Dies kann den betroffenen Frauen Hoffnung geben.

Literatur

American Society for Reproductive Medicine (2012). Endometriosis and Infertility: A Committee Opinion. Fertility and Sterility 2012. https://www.asrm.org/practiceguidance/practice-committee-documents/endometriosisand-infertility-a-committee-opinion-2012/ 

Armour, M., Lawson, K., Wood, A., Smith, C. A., & Abbott, J. (2019). The cost of illness and economic burden of endometriosis and chronic pelvic pain in Australia: A national online survey. PLOS One 2019;14(10):e0223316. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0223316 

Estes, S. J., Soliman, A. M., Yang, H., Wang, J., Freimark, J. (2020). A Longitudinal Assessment of the Impact of Endometriosis on Patients’ Salary Growth and Risk of Leaving the Workforce. Advances in Therapy 2020;37(5), 2144–2158. https://doi.org/10.1007/s12325-020-01280-7 

Fourquet, J., Báez, L., Figueroa, M., Iriarte, R. I., & Flores, I. (2011). Quantification of the Impact of Endometriosis Symptoms on Health-Related Quality of Life and Work Productivity. Fertility and Sterility 2011;96(1), 107–12. https://doi.org/10.1016/j.fertnstert.2011.04.095 

Pokrzywinski, R. M., Soliman, A. M., Chen, J., et al. (2020). Achieving Clinically Meaningful Response in Endometriosis Pain Symptoms Is Associated With Improvements in Health-Related Quality of Life and Work Productivity: Analysis of 2 Phase III Clinical Trials. American Journal of Obstetrics and Gynecology 2020;222(6):592. e1-592.e10. https://doi.org/10.1016/j.ajog.2019.11.1255 

Røssell, E. L., Plana-Ripoll, O., Josiasen, M., et al. (2025). Association Between Endometriosis and Working Life Among Danish Women. Human Reproduction 2025;40(3), 461–468. https://doi.org/10.1093/humrep/deae298)

Shigesi, N., Harris, H. R., Fang, H., et al. (2025). The Phenotypic and Genetic Association Between Endometriosis and Immunological Diseases. Human Reproduction 2025;40(6), 1195–1209. https://doi.org/10.1093/humrep/deaf062 

Shigesi, N., Kvaskoff, M., Kirtley, S., et al. (2019). The Association Between Endometriosis and Autoimmune Diseases: A Systematic Review and Meta-Analysis. Human Reproduction Update. 2019;25(4), 486–503. https://doi.org/10.1093/humupd/dmz014

Siegenthaler, F., Knabben, L., Mohr, S., Nirgianakis, K., Imboden, S., & Mueller, M. D. (2020). Visualization of endometriosis with laparoscopy and near-infrared optics with indocyanine green. Acta Obstet Gynecol Scand. 2020 May;99(5), 591–597. doi.org 10.1111/ aogs.13803. Epub 2020 Jan 28. PMID: 31943126. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31943126/ 

Sperschneider, M. L., Hengartner, M. P., Kohl-Schwartz, A., et al. (2019). Does Endometriosis Affect Professional Life? A Matched Case-Control Study in Switzerland, Germany and Austria. BMJ Open 2019;9(1):e019570. doi.org/10.1136/bmjopen-2017-019570 

Van Gestel, H., Bafort, C., Meuleman, C., Tomassetti, C., & Vanhie, A. (2024). The prevalence of endometriosis in unexplained infertility: a systematic review. Reprod Biomed Online 2024 Sep;49(3):103848. https:// doi.org/10.1016/j.rbmo.2024.103848. Epub 2024 Feb 2. Erratum in: Reprod Biomed Online. 2025 Nov;51(5):105276. https://doi.org/10.1016/j.rbmo.2025.105276.PMID:38943813 

Zondervan, K. T., Becker, C. M., & Missmer, S. A. (2020). Endometriosis. The New England Journal of Medicine 2020;382(13), 1244–1256. https://doi.org/10.1056/NEJMra1810764 

 

 

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Veröffentlichungsdatum

Prof. Dr. med. Matthias Korell ist seit 2010 Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Johanna Etienne Krankenhaus in Neuss. Seine Schwerpunkte im Bereich der Frauenheilkunde liegen – neben der Onkologie als Leiter des Brust- und gynäkologischen Krebszentrums – in der Behandlung von Frauen mit Endometriose, Inkontinenz bzw. Senkungsbeschwerden und unerfülltem Kinderwunsch. Darüber hinaus ist er ärztlicher Psychotherapeut und Psychoonkologe.
Kontakt: m.wirtz(at)ak-neuss.de 

 

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Herausgebende Institution

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