Leipzig Reproductive Health Research Center (LE-REP)
Kinderwunschbehandlungen: Auswirkungen auf Frauen und Kinder
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Für viele Frauen und Paare ist eine Kinderwunschbehandlung ein wichtiger Schritt – oft verbunden mit großen Hoffnungen, aber auch mit Unsicherheiten. Über die Zeit danach wissen wir bislang vergleichsweise wenig. Genau hier setzt das Leipzig Reproductive Health Research Center (LE-REP) an. Von biologischen Prozessen bis zu psychosozialen Belastungen: Das LE-REP Center erforscht, was Kinderwunschbehandlungen über die Schwangerschaft hinaus bedeuten.
Unter der Leitung von Professorin Bahriye Aktas arbeiten verschiedene Fachrichtungen der Universität Leipzig interdisziplinär zusammen: Gynäkologie, Andrologie, Psychosomatik und Labormedizin. Ziel ist es, besser zu verstehen, welche körperlichen und psychosozialen Auswirkungen Kinderwunschbehandlungen haben und was das für Beratung und Versorgung bedeutet. Gefördert wird das Projekt seit Oktober 2023 durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR).
Derzeit entstehen die Grundlagen: Erste Teilnehmende werden bereits rekrutiert, zugleich werden Datenstrukturen aufgebaut und miteinander verknüpft. Klinische Informationen, psychosoziale Daten und biologische Proben fließen zusammen. Im Fokus stehen hormonelle, immunologische und genetische Faktoren, die für Schwangerschaft und Gesundheit relevant sind. Auch Komplikationen wie Frühgeburten oder Präeklampsie1 werden genauer betrachtet, um Risikokonstellationen künftig besser einordnen zu können.
Um die gesundheitliche Entwicklung besser nachvollziehen zu können, begleitet das Forschungsprojekt Frauen auch über die Schwangerschaft hinaus. Je nach Situation werden Partner oder Partnerinnen und Kinder einbezogen. Strukturen wie die LIFE Child-Studie helfen, diese Entwicklungen über längere Zeit zu erfassen.
Am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) wird untersucht, welche Rolle Umwelteinflüsse spielen. Das Department Umweltimmunologie unter Professorin Ana Zenclussen geht der Frage nach, wie hormonell wirksame Schadstoffe Fruchtbarkeit und Schwangerschaft beeinflussen.
Neben körperlichen Aspekten geht es um das Erleben der Betroffenen. Kinderwunschbehandlungen gehen häufig mit Stress, Ängsten und Unsicherheiten einher – und sie wirken oft in Partnerschaft und Familienleben hinein. LE-REP greift diese Themen auf und steht dazu auch im Austausch mit dem Unterstützungsnetzwerk Infertilität und Kinderwunsch (UIK e. V.), einer bundesweit aktiven Initiative, um Erfahrungen und Perspektiven Betroffener besser in die Forschung einzubeziehen und zur Enttabuisierung beizutragen.
Noch steht das Projekt am Anfang. In den kommenden Jahren soll Schritt für Schritt ein besseres Verständnis dafür entstehen, was Kinderwunschbehandlungen langfristig bedeuten – für Frauen, für Kinder und für Familien.
Fußnoten
1Präeklampsie ist eine schwere Komplikation in der zweiten Schwangerschaftshälfte, die unter anderem mit hohem Blutdruck, Kopfschmerzen, Sehstörungen und Wassereinlagerungen einhergehen kann. Umgangssprachlich wird sie auch »Schwangerschaftsvergiftung« genannt, obwohl keine Vergiftung vorliegt.
Literatur
Münch, M. L., et al. (2025). Multidisciplinary assessment of the impact of assisted reproductive techniques on pregnancy and long-term outcomes of mother and child: Foundation of the LE-REP (Leipzig Reproductive Health Research Center). Journal of Reproductive Immunology, 169, 104457. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40090157/
Alle Links und Literaturangaben beziehen sich auf das Erscheinungsdatum der jeweiligen Druckausgabe und werden nicht aktualisiert.
Zitation
Kabbani, N., & Christoph, I. (2026). Leipzig Reproductive Health Research Center (LE-REP). Kinderwunschbehandlungen: Auswirkungen auf Frauen und Kinder. FORUM Sexualaufklärung und Familienplanung: Informationsdienst des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), 1, 85–86.
Download Zitation (RIS)Veröffentlichungsdatum
Dr. med. Noura Kabbani ist Ärztin in Weiterbildung an der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde am Universitätsklinikum Leipzig und seit 2024 als Clinician Scientist Teil von LE-REP.
Ines Christoph ist an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig tätig und koordiniert das Projekt seit 2023.
Kontakt: lerep(at)medizin.uni-leipzig.de
Website: https://research.uni-leipzig.de/reproductive-health
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Herausgebende Institution
Artikel der Gesamtausgabe
- Wie geht es den Frauen in Deutschland?
- Menarche und Sexuelle Bildung – Jugendsexualität 10. Welle
- »Welche Verhütung passt zu mir?« Eine digitale Entscheidungshilfe und ihre Evaluation
- Peripartale psychische Erkrankungen
- Endometriose als gesundheitliches und gesellschaftliches Problem
- Der Kaiserschnitt. Eine Bewertung aus Perspektive der Geburtshilfe
- Der Beckenboden nach der Geburt: Probleme nicht verschweigen, sondern behandeln!
- Verhütungsbedarf und Verhütungspraxis bei Frauen im Alter von 40 bis 44 Jahren
- Die Menopause als biopsychosozialer Übergang – Herausforderungen für die ärztliche Versorgung
- Alles Menopause oder was?! Kulturhistorische und psychosomatische Aspekte
- Frauengesundheit und FemTech: Zwischen Innovationspotenzial und systemischen Hürden
- Projekt zu Menstruation und Früherkennung von Endometriose
- Projekt »Wahl des Geburtsortes«.
- Leipzig Reproductive Health Research Center (LE-REP)
- Forschungsprojekt »WECHSELZEIT«
- Pilotprojekt zur Frage rassistischer Diskriminierung in der Geburtshilfe
- Eine Studie des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen
- Infothek