Die Menopause als biopsychosozialer Übergang – Herausforderungen für die ärztliche Versorgung
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Die Menopause wird umgangssprachlich als »Wechsel« oder »Wechseljahre« bezeichnet, meint medizinisch aber streng genommen den Zeitpunkt der letzten Menstruation im Leben einer Frau und wird retrospektiv diagnostiziert, wenn über einen Zeitraum von zwölf Monaten keine Blutung mehr aufgetreten ist. Sie markiert das Ende der reproduktiven Phase und ist ein natürlicher Bestandteil des Alterungsprozesses. Der Begriff Menopause-Transition beschreibt hingegen den mehrjährigen Übergangsprozess, der zu diesem Zeitpunkt hinführt und durch hormonelle, körperliche und psychische Veränderungen gekennzeichnet ist. In den späten reproduktiven Jahren treten erste Veränderungen der Zyklusregulation auf. Die sogenannte Perimenopause beschreibt die Zeit zunehmender Zyklusunregelmäßigkeiten bis hin zum vollständigen Ausbleiben der Menstruation. Nach der letzten Menstruation schließt sich die Postmenopause an, die durch dauerhaft veränderte Hormonspiegel geprägt ist. Die meisten Frauen erleben die Menopause zwischen dem 45. und dem 55. Lebensjahr (WHO, 2024). Die Prävalenz menopausaler Symptome ist mit 80 bis 90 % insgesamt sehr hoch, wobei Häufigkeit und Ausprägung je nach Stadium der Transition und je nach Bevölkerungsgruppe deutlich variieren können (Troia et al., 2025). Bis zu 75 % der Frauen berichten über vasomotorische Symptome wie Hitzewallungen und Nachtschweiß sowie Schlafstörungen. Darüber hinaus treten häufig körperliche Veränderungen auf, die über normale Alterungsprozesse hinausgehen, darunter Veränderungen der Herz-Kreislauf-Gesundheit, der Knochendichte, der Körperzusammensetzung (das Verhältnis von Fett- und Muskelmasse) sowie der sexuellen und urogenitalen Funktion. Neben diesen körperlichen Veränderungen sind auch kognitive und psychische Beschwerden häufig. Dazu zählen Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme, Stimmungsschwankungen sowie eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für depressive und ängstliche Symptome. Diese Beschwerden der Menopause können sich erheblich auf die Lebensqualität und die Leistungsfähigkeit im Alltag auswirken (Davis et al., 2023; Faubion et al., 2023; Gold et al., 2006; Kravitz et al., 2008). Leider werden diese menopausalen Veränderungen noch zu wenig in der medizinischen Versorgung hinsichtlich Anamnese, Symptombelastung und Medikation berücksichtigt. Frauen fühlen sich zum Teil wenig ernst genommen und unzureichend beraten.
Verschiedene Stadien und Veränderungen in den Wechseljahren
Die Übergangsphase aus dem fortpflanzungsfähigen Alter in eine Phase nachlassender Funktion der Eierstöcke (Fruchtbarkeit) mit sinkender Östrogenproduktion nennt man Klimakterium. In dieser Phase des Lebens liegt der Zeitpunkt der letzten natürlichen Menstruationsblutung. Die Wechseljahre umfassen mehrere Stadien. Kennzeichnend sind vor allem Veränderungen der Sexualhormone, insbesondere ein Rückgang von Östradiol, Progesteron sowie ein Anstieg des follikelstimulierenden Hormons (FSH) (Amrani, 2023; Harlow et al., 2012).
Die Prämenopause, also die Fortpflanzungsphase, ist die Zeit der Fruchtbarkeit und tritt nach der Menarche und vor dem Übergang der Wechseljahre ein. Sie umfasst die Phase vor dem eigentlichen Einsetzen der Menopause. In dieser Zeit sind Frauen grundsätzlich fertil, jedoch treten am Ende erste Veränderungen des hormonellen Gleichgewichts auf. Insbesondere sinkt zunächst der Progesteronspiegel, während Östrogen noch relativ stabil bleibt. Klinisch äußert sich dies häufig in subtilen Veränderungen des Menstruationszyklus wie unregelmäßige Zykluslängen oder variierende Blutungsstärken.
Die Perimenopause stellt die eigentliche Übergangsphase dar und beginnt mit zunehmenden Zyklusunregelmäßigkeiten. Sie endet ein Jahr nach der letzten Menstruation. In dieser Phase kommt es zu ausgeprägten hormonellen Schwankungen, insbesondere des Östradiols, während das follikelstimulierende Hormon (FSH) kontinuierlich ansteigt. Parallel dazu nehmen ovulatorische Zyklen ab. Typischerweise treten in dieser Phase erstmals ausgeprägte menopausale Symptome auf, darunter Hitzewallungen, Schlafstörungen sowie emotionale und kognitive Veränderungen. Die Perimenopause wird daher häufig als die klinisch intensivste Phase des menopausalen Übergangs beschrieben.
Die Postmenopause beginnt nach zwölf aufeinanderfolgenden Monaten ohne Menstruation und kennzeichnet die Phase nach dem endgültigen Erlöschen der ovariellen Funktion. Hormonell ist sie durch dauerhaft niedrige Östradiolspiegel und erhöhte FSH-Konzentrationen charakterisiert. Während vasomotorische Beschwerden in den ersten Jahren weiterhin bestehen können, treten langfristige Veränderungen zunehmend in den Vordergrund, darunter eine Abnahme der Knochendichte, Veränderungen des Herz-Kreislauf-Systems sowie urogenitale Beschwerden. Einige Symptome können sich im Verlauf abschwächen, während andere, insbesondere strukturelle Veränderungen, persistieren oder zunehmen.
Somatische und psychische Veränderungen
Während der Wechseljahre erleben Frauen eine Vielzahl von Symptomen, die sich auch gegenseitig beeinflussen können und großen Einfluss auf die psychische und körperliche Gesundheit haben (siehe Abbildung 1).
Vasomotorische Symptome
Vasomotorische Symptome gehören zu den häufigsten und charakteristischsten Beschwerden im Rahmen der Menopause. Zwischen 60 % und 80 % der Frauen erleben im Verlauf des menopausalen Übergangs entsprechende Symptome, wobei etwa ein Drittel diese als häufig oder als mäßig bis stark belastend beschreibt (Freeman et al., 2014; Gold et al., 2006; Thurston & Joffe, 2011) . Klinisch äußern sich vasomotorische Symptome vor allem in Form von Hitzewallungen und Nachtschweiß. Sie sind gekennzeichnet durch plötzlich auftretende intensive Wärmeempfindungen, vermehrtes Schwitzen sowie ein subjektives, sehr intensives Bedürfnis nach Abkühlung. Typischerweise zeigt sich eine Hitzewallung durch eine Rötung des Gesichts und des oberen Brustbereichs, häufig begleitet von einer erhöhten Herzfrequenz. Die Entstehung vasomotorischer Symptome ist eng mit hormonellen Veränderungen verknüpft, insbesondere mit dem Rückgang des Östradiolspiegels (E2) im Verlauf der Menopause. Gleichzeitig werden diese Symptome als Störungen der zentralen Thermoregulation verstanden. Hinsichtlich des zeitlichen Verlaufs zeigen vasomotorische Symptome eine hohe Variabilität. Sie treten am häufigsten in der späten Perimenopause sowie in den ersten Jahren der Postmenopause auf. Allerdings unterscheiden sich Beginn, Intensität und Dauer zwischen einzelnen Frauen erheblich. Während einige Frauen Symptome vor allem in der Übergangsphase erleben, berichten andere über ein Auftreten erst in der Postmenopause oder bereits in den späten reproduktiven Jahren. Die durchschnittliche Dauer moderater bis schwerer vasomotorischer Symptome liegt bei etwa sieben bis zehn Jahren, kann jedoch individuell deutlich länger sein. Diese Variabilität unterstreicht die Bedeutung individueller biologischer, psychologischer und sozialer Einflussfaktoren für das Erleben menopausaler Beschwerden (Amrani, 2023; Avis et al., 2015; Freeman et al., 2014).
Körperliche Veränderungen
Die Phasen der Menopause sind auch mit einer Vielzahl körperlicher und kognitiver Veränderungen verbunden, die über die Einflüsse des normativen Alters hinausgehen. Wissenschaftlich belegt sind vor allem kardiovaskuläre Veränderungen wie Veränderungen im Lipidprofil, LDL-Cholesterinanstieg, Zunahme von Arteriosklerose, erhöhte Inzidenz des Metabolischen Syndroms, außerdem Zunahme der Körperfettmasse im Vergleich zur Muskelmasse und signifikante Abnahme der Knochendichte und somit eine Zunahme von Osteoporose (Amrani, 2023; El Khoudary, 2023; El Khoudary et al., 2013; Greendale et al., 2019; Janssen et al., 2008; Shieh et al., 2023). Der Rückgang von Östradiol (E2) sowie Veränderungen des follikelstimulierenden Hormons (FSH) sind zentrale Faktoren für den beschleunigten Knochenabbau. Insbesondere in den Jahren um die letzte Menstruation wird eine Phase raschen Verlusts an Knochenmineraldichte beobachtet. Ein weiterer zentraler Bereich sind urogenitale Veränderungen, welche einen großen Anteil postmenopausaler Frauen betreffen. Zu den häufigsten Symptomen zählen vaginale Trockenheit, Brennen, Juckreiz sowie Schmerzen, insbesondere im Zusammenhang mit sexueller Aktivität. Darüber hinaus können strukturelle Veränderungen wie eine Abnahme der Elastizität sowie eine Atrophie von Vaginal- und Vulvagewebe auftreten (Nappi & Kokot-Kierepa, 2012; Palma et al., 2016; Shifren, 2018).
Psychische Veränderungen
Depressive Symptome treten im mittleren Lebensalter relativ häufig auf. In Querschnittsstudien berichten zwischen 45 % und 68 % der Frauen über eine Zunahme depressiver Beschwerden während der Perimenopause (Fang et al., 2024; Maki et al., 2019). Longitudinale Studien zeichnen jedoch ein differenzierteres Bild: Während die Mehrheit der Frauen stabile Symptomverläufe zeigt, entwickelt ein kleinerer Anteil – etwa 9 % – eine deutliche Zunahme depressiver Symptome, insbesondere in der Perimenopause (Hickey et al., 2016). Gleichzeitig weisen prospektive Studien darauf hin, dass das Risiko für erhöhte depressive Symptome während des menopausalen Übergangs signifikant ansteigt. So wurde eine mehr als fünffach erhöhte Wahrscheinlichkeit für depressive Symptome im Vergleich zur Prämenopause beschrieben (Freeman et al., 2006). Auch Metaanalysen zeigen, dass die Perimenopause mit einem erhöhten Risiko für depressive Symptome und depressive Episoden verbunden ist (Badawy et al., 2024). Dennoch ist zu betonen, dass depressive Symptome nicht bei allen Frauen auftreten und die Menopause keine universelle Ursache für Depression darstellt. Die Entstehung depressiver Symptome ist multifaktoriell. Neben hormonellen Veränderungen spielen insbesondere die Belastung durch menopausale Beschwerden wie vasomotorische Symptome, Schlafstörungen und sexuelle Funktionsveränderungen eine zentrale Rolle. Darüber hinaus tragen chronische Erkrankungen, psychosoziale Stressoren sowie individuelle Vulnerabilitäten bei. Ein besonders starker Risikofaktor ist eine frühere depressive Episode: Frauen mit entsprechender Vorgeschichte haben ein deutlich erhöhtes Risiko, während der Perimenopause erneut klinisch relevante depressive Symptome zu entwickeln. Auch soziale und kulturelle Faktoren beeinflussen die psychische Gesundheit im menopausalen Übergang. Einstellungen zum Altern, Körperbild, gesellschaftliche Rollenbilder, Stigmatisierung sowie der Zugang zu Informationen und Unterstützung können das Erleben dieser Lebensphase wesentlich prägen.
Kognitive Veränderungen
Kognitive Veränderungen werden von einem erheblichen Anteil der Frauen im mittleren Lebensalter berichtet. Zwischen 44 % und 62 % geben an, im Verlauf der Menopause kognitive Beschwerden zu erleben. Am häufigsten betreffen diese das Gedächtnis und die Aufmerksamkeit, etwa Schwierigkeiten beim Erinnern von Wörtern oder Zahlen, Konzentrationsprobleme sowie das Vergessen von Terminen oder alltäglichen Ereignissen. Diese subjektiv wahrgenommenen Beeinträchtigungen werden häufig als »Nebel im Gehirn« beschrieben und treten typischerweise erstmals in der frühen Perimenopause auf (Coslov et al., 2024; Epperson et al., 2013; Gold et al., 2006; Maki & Jaff, 2022; Mitchell & Woods, 2011). Es ist wichtig, subjektive kognitive Beschwerden von objektiv messbaren Veränderungen der kognitiven Leistungsfähigkeit zu unterscheiden. Während viele Frauen über wahrnehmbare Einschränkungen berichten, zeigen neuropsychologische Untersuchungen meist nur subtile Veränderungen. Längsschnittstudien weisen jedoch darauf hin, dass insbesondere das verbale Lernen und das verbale Gedächtnis im Übergang zur Perimenopause leicht abnehmen können. Darüber hinaus gibt es Hinweise auf Veränderungen in der Verarbeitungsgeschwindigkeit, der Aufmerksamkeit und dem Arbeitsgedächtnis, die über altersbedingte Effekte hinausgehen, jedoch weniger konsistent belegt sind. Der Verlauf dieser Veränderungen ist heterogen. Einige Studien zeigen, dass sich bestimmte kognitive Funktionen, insbesondere im Bereich des verbalen Gedächtnisses und der Verarbeitungsgeschwindigkeit, in der Postmenopause wieder stabilisieren oder verbessern. Andere Befunde deuten darauf hin, dass einzelne Veränderungen auch über die Perimenopause hinaus bestehen bleiben können (Kilpi et al., 2020; Mitchell & Woods, 2011; Weber et al., 2021).
Schlafstörungen
Schlafstörungen zählen zu den häufigsten Beschwerden im menopausalen Übergang und betreffen etwa 40 % bis 60 % der Frauen (Fang et al., 2024). Charakteristisch sind insbesondere häufiges nächtliches Erwachen, das zu einer deutlich verminderten Schlafqualität und erhöhter Tagesmüdigkeit führt. Bei etwa einer von vier Frauen erreichen Schlafstörungen und die damit verbundenen Einschränkungen der Tagesfunktion ein Ausmaß, das klinisch als Insomnie eingeordnet werden kann (Duralde et al., 2023; Ohayon, 2006). Neben diesen typischen Ein- und Durchschlafstörungen kann auch die Häufigkeit anderer schlafbezogener Erkrankungen im Verlauf der Menopause zunehmen. Dazu zählen insbesondere die obstruktive Schlafapnoe, periodische Bewegungsstörungen der Gliedmaßen sowie das Restless-Legs-Syndrom, die vor allem in der Postmenopause häufiger auftreten (Baker et al., 2018).
Die Entstehung von Schlafstörungen in der Menopause ist multifaktoriell bedingt. Neben dem Einfluss des chronologischen Alterns spielen sowohl biologische als auch psychosoziale Faktoren eine zentrale Rolle. Dazu zählen altersbedingte Veränderungen der Gesundheit und des Schlaf-Wach-Rhythmus, psychosoziale Belastungen, beruflicher und familiärer Stress sowie bestehende medizinische oder psychische Erkrankungen (Nowakowski & Meers, 2021). Auch hormonelle Veränderungen tragen wesentlich zur Beeinträchtigung des Schlafs bei. Schwankungen und der Rückgang von Östradiol (E2) und Progesteron in der Peri- und Postmenopause können sowohl direkte als auch indirekte Effekte auf die Schlaf-Wach-Regulation ausüben (Haufe et al., 2022). Darüber hinaus stehen Schlafstörungen in enger Wechselwirkung mit anderen menopausalen Symptomen. Insbesondere vasomotorische Beschwerden wie nächtliche Hitzewallungen können das Durchschlafen erheblich beeinträchtigen. Umgekehrt kann eine reduzierte Schlafqualität wiederum die emotionale Regulation verschlechtern und das Risiko für depressive und ängstliche Symptome erhöhen.
Veränderungen der sexuellen Funktion
Die sexuelle Funktion bei Frauen umfasst mehrere miteinander verbundene Bereiche, darunter sexuelles Verlangen, Erregung, Orgasmusfähigkeit, Schmerzempfinden und sexuelle Zufriedenheit. Diese Dimensionen sind eng miteinander verknüpft und beeinflussen sich gegenseitig. Von sexueller Dysfunktion wird erst dann gesprochen, wenn lang anhaltende Störungen in diesen Bereichen auftreten und mit einem klinisch relevanten Leidensdruck verbunden sind. Sexuelle Probleme hingegen sind im mittleren Lebensalter weit verbreitet. Etwa 48 % der Frauen berichten über Einschränkungen der sexuellen Funktion, wobei jedoch nur ein Teil dieser Frauen (etwa 15 %) diese Probleme als belastend erlebt. Dies verdeutlicht, dass nicht jede Veränderung der sexuellen Funktion zwangsläufig als behandlungsbedürftig wahrgenommen wird (Basson, 2000; Guha, 2014; Shifren et al., 2008).
Im Verlauf der Menopause kommt es bei vielen Frauen zu einer Verschlechterung der sexuellen Funktion. Besonders häufig wird ein vermindertes sexuelles Verlangen beschrieben. Auch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr sowie Veränderungen der Erregbarkeit und Orgasmusfähigkeit können auftreten. Diese Veränderungen stehen sowohl mit hormonellen Faktoren (insbesondere dem Rückgang von Östradiol) als auch mit psychosozialen Einflüssen in Zusammenhang (Gracia et al., 2007; Shifren et al., 2008; Thomas & Thurston, 2016).
Langzeitstudien liefern konsistente Hinweise darauf, dass sich die sexuelle Funktion mit fortschreitendem Wechseljahresstadium verändert. Ergebnisse aus großen prospektiven Kohortenstudien zeigen, dass im Verlauf der Peri- und Postmenopause insbesondere sexuelles Verlangen abnimmt und sexuell bedingte Schmerzen zunehmen, selbst unter Berücksichtigung von Alter und weiteren Einflussfaktoren (Avis et al., 2017; Dennerstein et al., 2001; Gracia et al., 2007). Gleichzeitig zeichnen qualitative Studien ein differenzierteres Bild. Hier zeigten sich verschiedene Faktoren, die zur geringen Libido beitrugen. Zu den häufigsten Faktoren gehörten postmenopausale vaginale Symptome, aber auch erektile Dysfunktion bei den männlichen Partnern, Müdigkeit und körperliche Schmerzen, Lebensstressoren und Probleme mit dem Körperbild. Frauen fanden oft Wege, sich an Veränderungen anzupassen. Diese Anpassungen erforderten jedoch eine offene Kommunikation zwischen Partnern bezüglich der sexuellen Bedürfnisse, welche jedoch in vielen Partnerschaften schwierig war (Thomas et al., 2020). Neben körperlichen Veränderungen berichteten einige Frauen auch über positive Entwicklungen, etwa ein gesteigertes Selbstbewusstsein, eine verbesserte Kommunikation mit dem Partner oder eine größere Klarheit über eigene Bedürfnisse und Präferenzen. Diese Aspekte können dazu beitragen, sexuelle Zufriedenheit trotz körperlicher Veränderungen aufrechtzuerhalten oder sogar zu verbessern (Thomas et al., 2020).
Befragung zur Versorgung in den Wechseljahren
Im Rahmen unserer Menopause-Studie im Querschnittsdesign wurden 539 Frauen ab 35 Jahren (M = 52,01; SD = 7,26) in den Phasen der Prä-, Peri- und Postmenopause (22,2 %/27,8 %/50,0 %) gemäß den STRAW+10-Kriterien (Harlow et al., 2012) umfassend befragt. Neben Fragen zur psychischen und körperlichen Gesundheit, zu klimakterischen Beschwerden, Veränderungen des Körperbildes sowie zu Herausforderungen im Bereich der Sexualität lag ein besonderer Fokus auf der Versorgungssituation und der Informationsvermittlung im Gesundheitswesen. Die nachfolgenden Ergebnisse zeigen die Prozentwerte ausgewählter Versorgungsaspekte, berechnet auf Grundlage der gültigen Antworten. Zur Darstellung der Zustimmung wurden die Antwortkategorien »trifft völlig zu« und »trifft eher zu« zusammengefasst. Die Studie wurde gemäß den Richtlinien der Deklaration von Helsinki sowie mit Zustimmung der Ethikkommission der Medizinischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena (Nr.: 2025-3905-Bef) durchgeführt.
Bei insgesamt 47,1 % der Frauen wurde das Thema Menopause laut eigener Aussage ärztlich nicht thematisiert (Prämenopause: 55,3 %, Perimenopause: 44,0 %, Postmenopause: 45,9 %; siehe Abbildung 2). Gleichzeitig äußerten 88,4 % der Befragten den Wunsch, dass Ärztinnen und Ärzte die Menopause aktiv thematisieren (Prämenopause: 94,0 %, Perimenopause: 94,0 %, Postmenopause: 83,2 %).
57,6 % der Frauen fühlten sich nicht ausreichend über körperliche und psychische Veränderungen informiert (Prämenopause: 69,1 %, Perimenopause: 56,4 %, Postmenopause: 54,3 %; siehe Abbildung 3). 57,3 % der Teilnehmerinnen gaben an, unzureichend über Behandlungsoptionen aufgeklärt worden zu sein (Prämenopause: 61,9 %, Perimenopause: 52,7 %, Postmenopause: 54,4 %; siehe Abbildung 4).
Darüber hinaus berichteten 54,4 % der Frauen in der Prämenopause, 44,3 % in der Perimenopause und 42,4 % in der Postmenopause (gesamt 44,8 %), dass sie das Gefühl hatten, ihre Beschwerden würden nicht ernst genommen (siehe Abbildung 5). Entsprechend niedrig fällt die Zufriedenheit mit der ärztlichen Betreuung aus (gesamt: 27,5 %). Zufrieden waren 31,0 % der Frauen in der Prämenopause, 24,5 % in der Perimenopause und 32,9 % in der Postmenopause, während jeweils etwa die Hälfte der Befragten Unzufriedenheit angab (Prämenopause: 52,4 %, Perimenopause: 52,6 %, Postmenopause: 48,5 %; siehe Abbildung 6).
Darüber hinaus berichteten 41,7 % der Frauen in der Prämenopause, 39,3 % in der Perimenopause und 31,9 % in der Postmenopause, dass sie mehrere Ärztinnen und Ärzte aufsuchen mussten, bevor sie eine adäquate Behandlung im Zusammenhang mit der Menopause erhielten.
Diskussion
Die Ergebnisse der vorliegenden Querschnittsstudie weisen auf deutlichen Optimierungsbedarf in der gesundheitlichen Versorgung von Frauen in den Wechseljahren hin. Besonders auffällig ist die Diskrepanz zwischen dem hohen Bedarf an ärztlicher Ansprache der Menopause und der tatsächlichen Versorgungspraxis. Während sich die große Mehrheit der Frauen eine proaktive Thematisierung wünscht, berichtet etwa die Hälfte, dass dies im ärztlichen Kontext nicht erfolgt. Dies deutet darauf hin, dass die Menopause im klinischen Alltag bislang unzureichend als eigenständiger Beratungsanlass berücksichtigt wird. Zudem zeigen die Ergebnisse ausgeprägte Defizite in der Informationsvermittlung. Mehr als die Hälfte der Frauen fühlt sich unzureichend über körperliche und psychische Veränderungen sowie über Behandlungsoptionen aufgeklärt. Diese Befunde deuten auf ein strukturelles Informationsdefizit hin, das sich über alle menopausalen Phasen hinweg zeigt, wobei besonders hohe Werte bereits in der Prämenopause auffallen. Dies unterstreicht die Bedeutung einer frühzeitigen Aufklärung bereits vor und mit dem Eintreten der ersten hormonellen Veränderungen. Hinzu kommt, dass ein erheblicher Anteil der Frauen angibt, ihre Beschwerden würden nicht ausreichend ernst genommen. Dies ist insbesondere im Hinblick auf die Arzt-Patientinnen-Beziehung und die Inanspruchnahme von Versorgung bedeutsam, da mangelnde Validierung von Symptomen das Vertrauen in die medizinische Betreuung beeinträchtigen kann. Entsprechend niedrig fällt auch die Zufriedenheit mit der ärztlichen Versorgung aus, wobei etwa die Hälfte der Befragten unzufrieden ist. Die geäußerte Erfahrung der Patientinnen, mehrere Ärztinnen und Ärzte konsultieren zu müssen, bevor eine adäquate Behandlung erfolgt, könnte auf eine fragmentierte Versorgung, unterschiedliche Menopausen-spezifische Expertise sowie besondere Versorgungsbedarfe der Patientinnen hinweisen. Insgesamt ergibt sich ein Bild, in dem kommunikative, strukturelle und wissensbezogene Faktoren zusammenwirken und zu einer suboptimalen Versorgungssituation beitragen.
Limitationen: Aufgrund des Querschnittsdesigns können keine kausalen Zusammenhänge abgeleitet werden. Zudem basieren die Daten auf Selbstberichten, wodurch Verzerrungen wie Erinnerungs- oder Selektionsbias nicht ausgeschlossen werden können. Auch ist die Generalisierbarkeit der Ergebnisse durch mögliche Stichprobenverzerrungen sowie fehlende Differenzierungen nach versorgungsrelevanten Kontextfaktoren limitiert. Schließlich kann die Zusammenfassung von Antwortkategorien zu einer gewissen Vereinfachung der Ergebnisse geführt haben. Trotz dieser Einschränkungen liefern die Befunde wichtige Hinweise auf bestehende Versorgungslücken und unterstreichen den Bedarf an einer stärkeren Integration menopausaler Beschwerden in die medizinische Versorgung.
Fazit
Die Menopause sollte in der medizinischen Praxis nicht als isoliertes hormonelles Ereignis, sondern als bio-psycho-sozialer Übergangsprozess verstanden werden. Eine proaktive Ansprache ist dabei zentral: Ärztinnen und Ärzte sollten das Thema frühzeitig – idealerweise bereits in der späten reproduktiven Phase – aktiv in Gespräche integrieren, anstatt auf eine Thematisierung durch Patientinnen zu warten. Darüber hinaus bedarf es einer strukturierten, ganzheitlichen Anamnese, die neben körperlichen Beschwerden gezielt auch psychische Symptome (z. B. depressive Verstimmung, Angst), die Schlafqualität, kognitive Veränderungen sowie die sexuelle Gesundheit erfasst. Standardisierte Screening-Instrumente können hierbei unterstützend eingesetzt werden (Heinemann et al., 2004; Brenk-Franz & Strauß, 2021). Zukünftig sollte die Versorgung individualisiert und symptomorientiert erfolgen. Dies umfasst eine evidenzbasierte Aufklärung über normale und behandlungsbedürftige Veränderungen, eine gemeinsame Entscheidungsfindung zu Therapieoptionen (z. B. Hormontherapie, nicht-hormonelle Ansätze, Lebensstilinterventionen) sowie die Berücksichtigung individueller Risikofaktoren und Präferenzen. Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit ist hierbei sinnvoll, insbesondere bei komplexen Beschwerdebildern. Die Einbindung von Gynäkologie, Allgemeinmedizin, Psychosomatik sowie gegebenenfalls Physiotherapie oder Sexualberatung kann die Versorgungsqualität deutlich verbessern. Letztlich tragen das Ernstnehmen von Beschwerden sowie eine offene Gesprächskultur wesentlich zur Zufriedenheit, Adhärenz (d. h. der aktiven Mitwirkung der Patientinnen an vereinbarten therapeutischen Maßnahmen) und zu einer adäquaten Versorgung von Patientinnen in der Menopause bei.
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Zitation
Brenk-Franz, K. (2026). Die Menopause als biopsychosozialer Übergang – Herausforderungen für die ärztliche Versorgung. FORUM Sexualaufklärung und Familienplanung: Informationsdienst des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), 1, 55–66.
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Veröffentlichungsdatum
Dr. Katja Brenk-Franz, Senior Researcher, ist Leiterin des Forschungsbereichs »Bindung und Sexualität« am Universitätsklinikum Jena. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Bindungsforschung und Sexualmedizin, Entwicklung und Validierung von Instrumenten, Telemedizin und Versorgungsforschung.
Kontakt: katja.brenk-franz(at)med.uni-jena.de
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Herausgebende Institution
Artikel der Gesamtausgabe
- Wie geht es den Frauen in Deutschland?
- Menarche und Sexuelle Bildung – Jugendsexualität 10. Welle
- »Welche Verhütung passt zu mir?« Eine digitale Entscheidungshilfe und ihre Evaluation
- Peripartale psychische Erkrankungen
- Endometriose als gesundheitliches und gesellschaftliches Problem
- Der Kaiserschnitt. Eine Bewertung aus Perspektive der Geburtshilfe
- Der Beckenboden nach der Geburt: Probleme nicht verschweigen, sondern behandeln!
- Verhütungsbedarf und Verhütungspraxis bei Frauen im Alter von 40 bis 44 Jahren
- Die Menopause als biopsychosozialer Übergang – Herausforderungen für die ärztliche Versorgung
- Alles Menopause oder was?! Kulturhistorische und psychosomatische Aspekte
- Frauengesundheit und FemTech: Zwischen Innovationspotenzial und systemischen Hürden
- Projekt zu Menstruation und Früherkennung von Endometriose
- Projekt »Wahl des Geburtsortes«.
- Leipzig Reproductive Health Research Center (LE-REP)
- Forschungsprojekt »WECHSELZEIT«
- Pilotprojekt zur Frage rassistischer Diskriminierung in der Geburtshilfe
- Eine Studie des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen
- Infothek