Bystander-Prävention bei sexualisierter Peer-Gewalt. Das Projekt »CHAT«
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Das Verbundprojekt »Checken, Abklären und Entscheiden, Tun (CHAT) – Jugendliche gegen sexualisierte Gewalt unter Jugendlichen stark machen« beschäftigte sich im Rahmen der BMBF-Förderlinie »Sexualisierte Gewalt in pädagogischen Kontexten« empirisch und praxisbezogen mit der Rolle der Bystander bei der Prävention sexualisierter Peer-Gewalt. Zusammen mit spezialisierten Fachstellen wurden ein lebensweltorientierter Präventionsworkshop und Fortbildungsmodule für pädagogische Fachkräfte entwickelt, erprobt und evaluiert. Die Erprobung erfolgte in den Arbeitsfeldern Kinder- und Jugendhilfe, Behindertenhilfe, Schule sowie Jugend(verbands)arbeit.
ErwachseSexualisierte Peer-Gewalt und Disclosure außerhalb des Blickfelds der Erwachsenen
Die Lebensrealität von Jugendlichen beinhaltet auch die Zunahme von Übergriffen durch Peers, also durch etwa gleichaltrige andere Jugendliche. Dies verdeutlicht unter anderem die »SPEAK«-Studie, eine wissenschaftliche Befragung1 von 2.718 Schüler*innen der 9. und 10. Jahrgangsstufen verschiedener Schulen in Hessen, aus der hervorgeht, dass Jugendliche besonders häufig sexualisierter Gewalt durch etwa gleichaltrige Personen ausgesetzt sind. 70 Prozent der Befragten gaben an, mindestens einmal sexualisierte Gewalt im Laufe ihrer Kindheit und Jugend beobachtet zu haben.
Wenn Jugendliche von sexualisierter Gewalt betroffen sind, zögern sie oft, sich Erwachsenen anzuvertrauen. Der Prozess des Disclosure, also die Offenlegung oder das Mitteilen von Erfahrungen sexualisierter Gewalt durch die betroffene Person, findet meist außerhalb des Blickfelds der Erwachsenen statt. In einer schwedischen Studie von Priebe und Svedin (2008) wurden mehr als 1.000 Mädchen und über 500 Jungen zu ihren diesbezüglichen Erfahrungen befragt. Die Ergebnisse zeigten, dass 81 Prozent der befragten Mädchen und 69 Prozent der Jungen über die Übergriffe gesprochen hatten – hauptsächlich mit ihren Peers. Jugendliche erfahren von den Übergriffen oder sind anwesend, ihnen werden Erfahrungen anvertraut oder sie reden in ihren Peer-Gruppen darüber (Helfferich, Doll & Kavemann, 2019; Hofherr & Kindler, 2018; Maschke & Stecher, 2018).
Die Bedeutung jugendlicher Bystander
So erscheint bei der Prävention von sexualisierter Gewalt, bei Grenzverletzungen und Übergriffen unter Jugendlichen das Einbeziehen Dritter, der sogenannten Bystander, sinnvoll. Diese Personen sind vor, während oder nach einem Übergriff anwesend und haben dadurch die Möglichkeit, präventiv einzugreifen, den Übergriff zu beeinflussen (verhindernd, ggf. aber auch verstärkend) oder Unterstützung anzubieten.
»Mit Bystander sind alle Personen gemeint, die Übergriffe mitbekommen bzw. beobachten, wie diese angebahnt werden, oder die von Übergriffen wissen, weil die Beteiligten selbst oder andere davon erzählt haben. Wir beziehen also nicht nur diejenigen als Bystander mit ein, die in Übergriffssituationen anwesend sind und eingreifen können, sondern auch diejenigen, die danach davon erfahren und sich dazu verhalten können« (SP:PAS2, S. 8).
Auch wenn es mittlerweile einige Präventionsansätze und -programme gibt, welche dezidiert den Bystander-Ansatz verfolgen (z. B. das Projekt »Jugendliche stärken für den Schutz vor sexuellen Übergriffen – Pilotprojekt zur Bystander-Prävention in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe« der Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen; siehe auch Rubrik Infothek), liegt der Fokus in Deutschland bislang häufig auf der Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch und auf institutionellen Schutzkonzepten. Nur wenig Aufmerksamkeit erhielten bislang Gruppenprozesse: Sexuelle Übergriffe unter Jugendlichen werden selten als regelgeleitetes soziales Phänomen betrachtet, bei dem nicht nur Betroffene und Übergriffige involviert sind, sondern auch unbeteiligte Dritte, die Bystander.
Verbundprojekt »CHAT« und der Bedarf an Präventionsangeboten für Jugendliche
Das Verbundprojekt »Checken, Abklären und Entscheiden, Tun: Jugendliche gegen sexualisierte Gewalt unter Jugendlichen stark machen (CHAT)« setzt genau an dieser Stelle an. Es legt den Fokus auf die jugendlichen Beobachterinnen und Beobachter von sexualisierter Gewalt, Grenzverletzungen oder Übergriffen – also auf Anwesende in einer solchen Situation oder Personen, die ins Vertrauen gezogen werden.
Aus Vorgängerprojekten zu unterstützendem Verhalten zwischen Peers ist bekannt, dass Jugendliche zwar um die Gefahren sexueller Übergriffe wissen und sich grundsätzlich in der Verantwortung sehen, in risikobehafteten Situationen einzugreifen. Gleiches gilt, wenn Peers von betroffenen Jugendlichen ins Vertrauen gezogen werden. In der konkreten Situation fällt es Jugendlichen allerdings schwer, die Lage richtig einzuschätzen und entsprechend zu reagieren. Grund dafür sind spezifische Hürden und Dilemmata, die die Herstellung von Schutz für sich und andere erschweren können (mehr Informationen dazu finden Sie im Artikel »Hürden des Eingreifens bei sexualisierter Peer-Gewalt. Empirische Erkenntnisse zur Bystander-Prävention« von Luise Dinger, Jessica Krebs, Barbara Kavemann und Heiko Löwenstein in diesem Heft). Das Projekt »CHAT« möchte daher Jugendliche befähigen, riskante Situationen angemessen zu deuten, um sich selbst auf dieser Basis besser schützen und andere unterstützen zu können. Auf der Ebene der Fachkräfte ist das Ziel, deren Fachkompetenz und Handlungsfähigkeit zu stärken, um diese Prozesse bei den Jugendlichen anzuregen und fachlich zu begleiten.
Das Verbundprojekt »CHAT« wurde im Rahmen der Förderlinie »Forschung zu sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in pädagogischen Kontexten« vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Während der dreijährigen Projektlaufzeit wurde ein Präventionsansatz weiterentwickelt, erprobt und evaluiert, der Jugendliche dazu befähigen soll, bei sexualisierter Gewalt unter Gleichaltrigen (Peer-Gewalt) unmittelbar zu intervenieren oder Unterstützung zu organisieren. Neben begleitender Forschung entstanden der Präventionsworkshop »Stand by me« für Jugendliche, ein Fortbildungsmanual für pädagogische Fachkräfte sowie curriculare Elemente für die Hochschullehre.
Die Koordination des Projekts »CHAT« übernahm das Deutsche Jugendinstitut (DJI). Das DJI identifizierte zentrale Ansatzpunkte und Handlungsmöglichkeiten für die Prävention und evaluierte sowohl die Wirkung der pädagogischen Arbeit als auch die entwickelten Konzepte. Das Sozialwissenschaftliche Forschungsinstitut zu Geschlechterfragen (SoFFI F.) analysierte aus qualitativer Perspektive und mit besonderem Fokus auf die subjektive Sicht der Jugendlichen mögliche Chancen, Schwierigkeiten und Dilemmata des Bystander-Verhaltens vor, während oder nach Situationen sexualisierter Grenzverletzungen, Übergriffe und Gewalt. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) – ehemals Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) – war für die Entwicklung eines Präventionsworkshops für Jugendliche sowie dessen Erprobung in Schulen und der Jugend(verbands)arbeit zuständig. Die Deutsche Gesellschaft für Prävention und Intervention bei Kindesmisshandlung, -vernachlässigung und sexualisierter Gewalt (DGfPI) verknüpfte Fortbildungscurricula mit der Praxis und unterstützte die Entwicklung von Konzepten und Materialien für die Jugend- und Behindertenhilfe.
Die zielgerichtete Entwicklung der Materialien erfolgte in enger Zusammenarbeit mit mehreren Fachstellen, die sich auf die Prävention und Beratung im Bereich sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche spezialisiert haben. Zu den kooperierenden Einrichtungen gehörten die AWO-Fachstelle zur Prävention sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche Shukura in Dresden, Kind im Zentrum (KIZ) in Berlin, das PETZE-Institut für Gewaltprävention in Kiel sowie Schattenriss e. V., die Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt an Mädchen* in Bremen.
Vorgängerprojekte
»CHAT« baut auf den vom BMBF geförderten Vorgängerprojekten »PRÄVIK«3 und »SP:PAS« (siehe Fußnote 2) auf. Im Forschungsprojekt »PRÄVIK« entstand ein Konzept für einen zweitägigen Workshop, bei welchem Prävention und Sexualpädagogik bedarfs- und zielgruppengerecht gestaltet wurden. Basierend auf diesen Ergebnissen wurde im Rahmen des Folgeprojekts »SP:PAS« ein Präventionsansatz entwickelt, der die Schutzprozesse in jugendlichen Peer-Gruppen unterstützen soll.
Die Ergebnisse von »PRÄVIK« und »SP:PAS«, maßgeblich von den Forscherinnen Cornelia Helfferich und Barbara Kavemann geprägt, wurden bei »CHAT« durch einen umfangreichen Praxisteil und zusätzliche Forschung weiterentwickelt. Da die Ergebnisse von »PRÄVIK« nur von Mädchen in Fremdunterbringung stammen, wurden bei »CHAT« weitere Interviews mit männlichen Teilnehmern durchgeführt, da die Präventionsworkshops in gemischtgeschlechtlichen Gruppen stattgefunden haben.
Einbettung des Forschungsthemas in die internationale Forschungslandschaft
Das »CHAT«-Projekt mit seiner Bystander-Perspektive schließt sich an eine spezifische internationale Entwicklung in der Prävention sexualisierter Gewalt unter Jugendlichen an, welche das soziale Umfeld dezidiert in den Blick nimmt. Im aus den USA stammenden Forschungsstrang, der untersucht, welche Faktoren das Eingreifen sogenannter Bystander begünstigen (Fischer et al., 2011) zeigte sich, dass bei sich anbahnenden oder ereignenden sexuellen Übergriffen im Jugend- und jungen Erwachsenenalter häufig Bystander anwesend sind. Daraufhin entstanden zahlreiche Programme der »Bystander-Prävention«, die in ihrer Wirkung gegen sexualisierte Gewalt teilweise erfolgreich evaluiert wurden (Banyard, 2011; Labhardt et al., 2017).
In den Bystander-Präventionsprogrammen wurden die Jugendlichen geschult und ermutigt einzugreifen. Als konzeptionelle Grundlage diente hier das zumeist fünfstufige »Bystander Intervention Model« (BIM, Latané & Darley, 1968), ein zentrales Konzept aus der Sozialpsychologie. Hier müssen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen zunächst (1.) einen Übergriff wahrnehmen, (2.) diesen als Übergriff deuten/die Situation als Problem wahrnehmen, (3.) sich verantwortlich fühlen, (4.) eine Entscheidung zum (unterstützenden) Handeln treffen und schließlich (5.) aktiv intervenieren.
Der Präventionsworkshop »Stand by me«
Auch für die Konzipierung des »CHAT«-Projekts diente das Bystander-Interventionsmodell von Latané und Darley als Grundlage für die Struktur des Präventionsworkshops: Die Buchstaben des Akronyms stehen für Workshop-Module. 1. CHecken: nachdem sich die Teilnehmenden kennengelernt haben, lernen sie, sexualisierte Gewalt und Übergriffe einzuordnen, 2. Abklären: die Teilnehmenden lernen Macht- und Gewaltdynamiken sowie Abläufe sexualisierter Übergriffe unter Jugendlichen kennen, 3. Entscheiden: die Jugendlichen lernen durch theaterpädagogische Elemente und Rollenspiele Möglichkeiten kennen, wie sie eingreifen können. Zudem werden mögliche Hürden und Dilemmata identifiziert und analysiert, die Jugendliche als Bystander davon abhalten könnten, situationsgemäß einzugreifen. Durch den letzten Baustein 4. Tun: werden weitere Handlungsstrategien erprobt, wie also beispielsweise weitere (erwachsene) Bystander zu Hilfe geholt werden können; außerdem lernen die Jugendlichen das örtliche Hilfesystem kennen.
Ein weiterer Schwerpunkt der Bystander-Prävention liegt darin, tief verwurzelte Risikofaktoren in Jugendgruppen und Gruppenzusammenhängen wahrzunehmen, zu analysieren und zu verändern. Dazu gehören zum Beispiel Vergewaltigungsmythen (McMahon, Banyard & McMahon, 2015), Victim Blaming4 (Banyard, 2011) oder patriarchal geprägte Männlichkeitsrollen – diese zentralen Themenbereiche wurden auch in den »CHAT«-Workshop integriert.
Besonderheit: theaterpädagogische Elemente und Fallvignetten
Ein zentraler Bestandteil der Präventionsworkshops sind Rollenspiele, die auf lebenswelt- und verhaltensbezogenen Fallvignetten basieren, mit dem erklärten Ziel, subjektiv bedeutsame Handlungsmuster in Situationen hervorzubringen, analytisch zu bearbeiten, aber auch mit den damit verbundenen Schwierigkeiten, Widersprüchen, Hürden und Dilemmata umzugehen. Diese Handlungsmuster, auch Fallvignetten genannt, wurden aus Interviews mit Jugendlichen entwickelt und spiegeln verschiedene Lebensbereiche der Jugendlichen wider: Klassenfahrten, Festivals, Partys, Schulhof und weitere Settings. Anhand dieser Beispiele können die Jugendlichen im geschützten Rahmen verschiedene Möglichkeiten ausprobieren und lernen, als Bystander aktiv zu werden. Der Workshop gibt den Jugendlichen den Raum, sich mit der eigenen Haltung zum Thema sexualisierte Gewalt unter Peers und ihrer Rolle als Bystander auseinanderzusetzen. Die Rollenspiele und die Methoden initiieren und begleiten die Auseinandersetzungsprozesse mit sexualisierter Peer-Gewalt.
»Ein Ansetzen an dieser Lebenswelt und damit im sozialen Umfeld der Jugendlichen ermöglicht es, frühere und aktuelle Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt und sexuellen Übergriffen oder andere Faktoren, die Jugendliche besonders verletzlich machen in die Präventionsarbeit zu integrieren« (Helfferich et al., 2019; Jud & Kindler, 2019).
Fortbildung
Um die fachliche Kompetenz und Handlungsfähigkeit pädagogischer Fachkräfte in ihrem Berufsalltag zu stärken und sie zu befähigen, mithilfe der Materialien an den Kompetenzen der Jugendlichen zu arbeiten und als Vorbild zu fungieren, wurde ein Fortbildungsmanual mit verschiedenen Modulen für die genannten Handlungsfelder entwickelt, erprobt und evaluiert. Zentrale Grundlage sind die empirischen Erkenntnisse von »CHAT« und seinen Vorläufer-Projekte: das Konzept der individuellen Schutzerwartungen/Schutzlogiken sowie die fünf Muster von Hürden für effektives Eingreifen als Bystander. Folgende Themen werden praxisnah behandelt: sexualisierte Gewalt von Jugendlichen an Jugendlichen; Peer-Gewalt und die Rolle der Bystander; Ansprechpersonen und institutionelle Unterstützung für jugendliche Bystander; Intervention bei sexualisierter Gewalt in Peer-Gruppen sowie das Erstgespräch bei Offenbarungen durch Bystander. Zwischen dem Präventionsworkshop und der Fortbildung besteht eine enge inhaltliche und methodische Verbindung.
Evaluation
Der Präventionsworkshop »Stand by me« und die Fortbildung für pädagogische Fachkräfte wurden durch das Deutsche Jugendinstitut evaluiert. Beide Evaluationen verweisen auf eine generelle Zufriedenheit der Teilnehmenden. Das Herzstück des Präventionsworkshops und der Fortbildung – die Rollenspiele und theaterpädagogischen Elemente – wurde äußerst positiv bewertet. Besonders hohe Zustimmung erhielt die Aussage »Ich weiß jetzt besser, wie ich mich verhalten kann, wenn andere Jugendliche von sexuellen Übergriffen bedroht oder betroffen sind«. 33,3 Prozent der Jugendlichen stimmten »ganz genau«, 35,0 Prozent »ziemlich«, 22,2Prozent »ein wenig« und 2,6 Prozent »gar nicht« zu. Mehr Details zur Evaluation sind im FORUM 1/2024 von Rebecca Gulowski und Magdalena Holz veröffentlicht worden.5
Fußnoten
1 Siehe https://www.speak-studie.de; siehe auch Hofherr, 2017.
2 »SP:PAS« (Schutzprozesse gegen sexuelle Übergriffe: Partizipative Prävention im sozialen Umfeld vulnerabler Jugendlicher), Jugendliche stark machen für Schutz vor sexuellen Übergriffen in ihrem sozialen Umfeld – Konzept für einen Präventionsworkshop mit theaterpädagogischen Elementen. https://www.researchgate.net/publication/353453795_Jugendliche_stark_machen_fur_Schutz_vor_sexuellen_Ubergriffen_in_ihrem_sozialen_Umfeld_Konzept_fur_einen_Praventionsworkshop_mit_theaterpaedagogischen_Elementen
3 Prävention von Re-Viktimisierung bei sexuell missbrauchten jugendlichen Mädchen in Fremdunterbringung. https://www.dji.de/ueber-uns/projekte/projekte/praevention-von-reviktimisierung-bei-sexuell-missbrauchten-jugendlichen-in-fremdunterbringung.html
4 Victim Blaming bedeutet, dass einer betroffenen Person (z. B. nach einem Übergriff oder einer Gewalttat) eine Mitschuld an dem Geschehen gegeben wird, anstatt die Verantwortung ausschließlich beim Täter oder Übergriffigen zu sehen. Dies kann durch direkte Vorwürfe oder subtile Andeutungen geschehen, etwa in Bezug auf Kleidung, Verhalten oder Entscheidungen der betroffenen Person.
Zitation
Amann, S., & Marquardt, L. (2025). Bystander-Prävention bei sexualisierter Peer-Gewalt. Das Projekt »CHAT«, FORUM Sexualaufklärung und Familienplanung: Informationsdienst des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), 1, 23–28.
Download Zitation (RIS)Veröffentlichungsdatum
Literatur
Banyard, V. L. (2011). Who will help prevent sexual violence: Creating an ecological model of bystander intervention. Psychology of Violence, 1(3), 216–229.
Fischer, P., Krueger, J. I., Greitemeyer, T., Vogrincic, C., et al. (2011). The bystander-effect: a meta-analytic review on bystander intervention in dangerous and non-dangerous emergencies. Psychological Bulletin, 137(4), 517–537.
Helfferich, C., Doll, D., & Kavemann, B. (2019). Prävention sexueller Übergriffe auf Partys: Interventionen Dritter aus der Sicht Jugendlicher. Kindesmisshandlung und -vernachlässigung, 22(1), 26–41.
Hofherr, S. (2017). Wissen von Schülerinnen und Schülern über sexuelle Gewalt in pädagogischen Kontexten: Kurzbericht über zentrale Ergebnisse. Deutsches Jugendinstitut.
Labhardt, D., Holdsworth, E., Brown, S., & Howat, D. (2017). You see but you do not observe: A review of bystander intervention and sexual assault on university campuses. Aggression and Violent Behavior, 35, 13–25.
Latané, B., & Darley, J. M. (1968). Group inhibition of bystander intervention in emergencies. Journal of Personality and Social Psychology, 10(3), 215–221.
Maschke, S., & Stecher, L. (2018). Sexuelle Gewalt: Erfahrungen Jugendlicher heute. Beltz Juventa, Weinheim, Basel.
Priebe, G., & Svedin, C. G. (2008). Child sexual abuse is largely hidden from the adult society. An epidemiological study of adolescents‘ disclosures. Child abuse & neglect, 32(19), 1095–1108.
Alle Links und Literaturangaben beziehen sich auf das Erscheinungsdatum der jeweiligen Druckausgabe und werden nicht aktualisiert.
Stefanie Amann, Leitung des Referats S4 Prävention von sexuellem Missbrauch im Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit.
Kontakt: Stefanie.Amann(at)bioeg.de
Lynn Marquardt, wissenschaftliche Referentin im Referat S3 – Aufgabenkoordinierung, Nationale und internationale Zusammenarbeit, Forschung und Fortbildung der Abteilung S – Sexualaufklärung, Verhütung und Familienplanung im Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit.
Kontakt: Lynn.Marquardt(at)bioeg.de
Alle Links und Autorenangaben beziehen sich auf das Erscheinungsdatum der jeweiligen Druckausgabe und werden nicht aktualisiert.
Herausgebende Institution
Artikel der Gesamtausgabe
- Sexualisierte Gewalt im Netz – die größte Herausforderung der kommenden Jahre
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