Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG, vormals Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, BZgA) erhebt seit 1998 im Rahmen der repräsentativen Wiederholungsstudie „Jugendsexualität“ Daten zu sexualisierten Gewalterfahrungen junger Menschen. Das Messinstrument wurde seither kontinuierlich angepasst. Auf Basis erster deskriptiver Befunde werden zentrale Ergebnisse der 10. Welle vorgestellt. Diese umfassen die Prävalenzen körperlicher und nichtkörperlicher sexualisierter Gewalt sowie Daten zu den ausübenden Personen, zur Anwesenheit von Bystandern und dem Disclosure-Prozess.
Ziel der Studie ist es, auf Basis der Befragung von 5.855 Jugendlichen (14–17 Jahre) und jungen Erwachsenen (18–25 Jahre) aktuelle Entwicklungen im Sexual- und Verhütungsverhalten sowie zu sexualisierten Gewalterfahrungen darzustellen.
Der Fachartikel von Luise Dinger, Alina Schäfer-Pels und Sara Scharmanski präsentiert die Ergebnisse der 10. Welle der repräsentativen Studie „Jugendsexualität“ zu Erfahrungen junger Menschen mit sexualisierter Gewalt. Die Ergebnisse belegen eine hohe Betroffenheit von körperlicher und nichtkörperlicher Gewalt im Jugendalter. Eine zentrale Rolle spielen Gleichaltrige sowohl bei der Ausübung sexualisierter Gewalt als auch als Bystander währenddessen und im Disclosure-Prozess.
Der Fachartikel zeigt auf, dass die Studie „Jugendsexualität“ 10. Welle nationale und internationale Befunde bestätigt, wonach das Jugendalter eine Phase erhöhten Risikos für sexualisierte (Peer‑)Gewalt ist. Sie unterstreicht die Bedeutung von Bystandern während und nach Situationen sexualisierter Gewalt. Interventions- und Präventionsmaßnahmen sollten daher gezielt auch Bystander adressieren.
Der Artikel ist erreichbar unter https://doi.org/10.1007/s00103-026-04212-y