Die Nutzung der Pille, des am häufigsten verwendeten hormonellen Kontrazeptivums, ist in Deutschland seit mehreren Jahren rückläufig. Ein Ziel der Studie „frauen leben 4“ ist es, diese Entwicklung nach Alter differenziert darzustellen und aus biografischer Perspektive ein vertieftes Verständnis der Entstehung kritischer Einstellungen zur Pille und zu hormonellen Kontrazeptiva insgesamt zu gewinnen.
Grundlage der Analyse sind Daten zur Anwendung und Bewertung der Pille aus der Mixed-Methods-Studie „frauen leben 4“ mit 5.579 Frauen mit Verhütungsbedarf. Die Ergebnisse wurden mit Daten der Vorgängerstudie von 2012 verglichen. Zudem wurden 20 qualitative Interviews zu kritischen Einstellungen gegenüber hormonellen Kontrazeptiva inhaltsanalytisch und hermeneutisch-rekonstruktiv ausgewertet.
Sabrina Mannebach, Laura Olejniczak, Sonja Glaser und Tillmann Knittel präsentieren im Rahmen des Fachartikels Ergebnisse der Untersuchung: Die Anwendung der Pille ist von 45,7 % im Jahr 2012 auf 25,3 % im Jahr 2024 zurückgegangen. Gleichzeitig sind kritische Einstellungen, insbesondere unter jüngeren Befragten, stärker verbreitet und stehen in engem Zusammenhang mit der Nichtnutzung hormoneller Kontrazeptiva. Sie entstehen vor allem dort, wo informationsbasierte Entscheidungsmöglichkeiten, insbesondere zu Beginn der Verhütungsbiografie, eingeschränkt sind und entwickeln sich im Verlauf als reflexiver Prozess.
Der Fachartikel ist erreichbar unter https://doi.org/10.1007/s00103-026-04211-z