Niedersachsen
frauen leben 4 – Familienplanung im Lebenslauf von Frauen
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Niedersachsen ist geprägt sowohl von ländlichen Räumen als auch von industriellen und urbanen Strukturen unter anderem am Rand der Regionen Bremen und Hamburg. Die regionale Vielfältigkeit beeinflusst auch Entscheidungen zur Familienplanung, die teils vergleichbar sind mit denen anderer ländlicher Regionen, teils mit Regionen, in denen ein urbaner Lebensstil überwiegt. Deutlich wird dies beispielsweise beim Zusammenhang von Heirat und Familiengründung oder im Hinblick auf die Auswirkungen einer zunehmend höheren Bildungsqualifikation von Frauen auf Familienplanung und -gestaltung.
Einstellungen zu Familie und Erwerbstätigkeit
- Die Mehrheit der Frauen wünscht sich Kinder, die meisten können sich aber auch ein Leben ohne vorstellen
- Familiengründung ist zunehmend weniger selbstverständlich
- Auch bei Müttern ist die Berufsorientierung stark ausgeprägt
- Die Einstellung zu Müttererwerbstätigkeit unterscheidet sich nach Bildungsstand
- Erwartungen an Väter sind abhängig vom Bildungsstand
Kinderwunsch ist zunehmend optional
Mehr als die Hälfte der Befragten – 56 Prozent – betrachtet eigene Kinder als festen Bestandteil des persönlichen Lebensentwurfs. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse aber auch, dass Familiengründung längst nicht mehr als Pflicht gilt: Für 21 Prozent ist der Kinderwunsch nicht selbstverständlicher Teil des eigenen Lebensentwurfs, und 54 Prozent können sich ein glückliches Leben auch ohne Kinder vorstellen. Während der Wunsch nach Kindern in allen Bildungsgruppen verbreitet ist, steigt mit höherer Bildung die Bereitschaft, auch kinderfreie Lebensmodelle als gleichwertig anzuerkennen.
Auch bei Müttern ist die Berufsorientierung stark ausgeprägt
86 Prozent der Frauen finden es richtig, dass Mütter wieder arbeiten, wenn das Kind drei Jahre alt ist. Die Mehrheit bevorzugt dabei Teilzeitarbeit, die von 77 Prozent als ideal angesehen wird. Sobald die Kinder im Grundschulalter sind, wächst die Zustimmung zur Erwerbstätigkeit der Mutter nochmals deutlich; fast alle Frauen unterstützen sie. Mit steigendem Alter des Kindes nimmt auch die Akzeptanz einer Vollzeitbeschäftigung zu: 31 Prozent halten sie dann für die beste Lösung.
Von Vätern wird eine aktive Beteiligung an den Familienaufgaben erwartet
Fast jede vierte Frau (27 %) plädiert dafür, dass auch Väter ihre Arbeitszeit reduzieren sollten, wenn ein Kind zur Welt kommt. Ein Fünftel lehnt das ab, mehr als die Hälfte ist unentschieden. Auffällig ist, dass Frauen mit höherem Bildungsniveau häufiger eine egalitäre Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit bevorzugen – offenbar verbunden mit der Erwartung, dass Fürsorge nicht allein an Mütter delegiert wird, sondern partnerschaftlich organisiert sein sollte.
Kinder und Eheschließung im Lebenslauf
- Drei Viertel der Frauen ab 35 Jahren haben Kinder
- Das Alter bei erster Geburt ist gestiegen
- Die meisten Frauen sind bei Geburt ihres ersten Kindes in einer mehrjährigen Partnerschaft
- Familiengründung und Heirat gehören für die Mehrheit zusammen
- Eine schlechte finanzielle Situation ist häufiger bei junger Mutterschaft und bei Alleinerziehenden
Familiengründung erfolgt später
In Niedersachsen haben 78 Prozent der Frauen im Alter zwischen 35 und 44 Jahren Kinder. Im Durchschnitt bringen sie 1,6 Kinder zur Welt. Am häufigsten sind in dieser Altersgruppe Zwei-Kind-Familien (45 %), gefolgt von einem Kind (30 %) sowie drei oder mehr Kindern (25 %). Auffällig ist der Einfluss des Bildungsniveaus: Je höher der Bildungsabschluss, desto größer ist der Anteil kinderloser Frauen und desto seltener gibt es Zwei-Kind-Konstellationen. Zwei und mehr Kinder haben auffällig viele Frauen mit niedrigem Bildungsniveau (78 %).
Das Alter bei der ersten Geburt ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Lag es 2012 noch bei 27,3 Jahren, so liegt es 2024 bei 28,6 Jahren. Frauen mit höherer Qualifikation vollziehen den Schritt in die Mutterschaft deutlich später, häufig erst ab dem 30. Lebensjahr.
Familiengründung und Heirat gehören für die Mehrheit zusammen
Die Familiengründung ist in Niedersachsen nach wie vor eng mit Partnerschaft und Ehe verbunden. Bei der Geburt des ersten Kindes lebten 98 Prozent der Frauen in einer Partnerschaft; zwei Drittel waren bereits verheiratet. Unter den unverheirateten Müttern heiratet die Mehrheit zu einem späteren Zeitpunkt (60 %). Verheiratete Mütter schätzen ihre finanzielle Situation am häufigsten als gut oder sehr gut ein, während Alleinerziehende deutlich häufiger finanzielle Belastungen betonen.
Die wirtschaftliche Lage von Müttern hängt eng mit dem Alter bei der ersten Geburt und dem Bildungsgrad zusammen. Jüngere Mütter und Frauen berichten erheblich häufiger von finanziellen Schwierigkeiten. Mütter mit hohem Bildungsstatus, die früh ein Kind bekommen haben, schätzen ihre finanzielle Lage häufig schlechter ein als diejenigen der Hochqualifizierten, die Kinder erst später bekommen. Eine frühe Mutterschaft, insbesondere von Hochqualifizierten, kann überdies langfristige ökonomische Nachteile nach sich ziehen. Fast jede zweite Mutter von zwei Kindern schätzt ihre finanzielle Lage als positiv ein (46 %).
Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit in der Partnerschaft
- Die Mehrheit der Mütter ist erwerbstätig
- Mit dem ersten Kind ändert sich die Aufgabenteilung in der Partnerschaft
Erwerbstätigkeit in Teilzeit dominiert – Bildungsniveau als Einflussfaktor
In Niedersachsen ist die Mehrheit der Mütter mit Kindern unter elf Jahren erwerbstätig. Sechzig Prozent gehen einer Arbeit nach, überwiegend in Teilzeit: 48 Prozent arbeiten reduziert, besonders verbreitet ist in Niedersachsen Teilzeiterwerbstätigkeit mit einem höheren Stundenkontingent. Nur 12 Prozent arbeiten in Vollzeit. Vier von zehn Müttern sind derzeit nicht erwerbstätig; darunter sind 14 Prozent zurzeit in Elternzeit. Die Partner arbeiten dagegen in der großen Mehrheit in Vollzeit (81 %).
Arbeitsteilung in Partnerschaften abhängig von der Familiensituation
Mit der Geburt eines Kindes verändert sich zudem die Arbeitsteilung in den meisten Partnerschaften grundlegend. In kinderlosen Beziehungen teilen 56 Prozent der Paare die Hausarbeit gleichberechtigt. Leben Kinder unter elf Jahren im Haushalt, übernehmen in 70 Prozent der Fälle die Frauen den Großteil der unbezahlten Hausarbeit; nur noch 28 Prozent der Paare organisieren diese Aufgaben egalitär. Auch unter hoch qualifizierten Müttern ist eine gleichberechtigte Aufteilung nur geringfügig häufiger.
Kinderwunsch und Gründe gegen (weitere) Kinder
- Der Kinderwunsch verändert sich im Lebenslauf
- Nur wenige Mütter möchten mehr als zwei Kinder
- Gründe gegen (weitere) Kinder unterscheiden sich je nach Kinderzahl
- Jede siebte Frau wird trotz Wunsch erst mit Verzögerung oder gar nicht schwanger
Kinderwunsch ist altersabhängig
Unter den kinderlosen Frauen zwischen 20 und 44 Jahren möchte knapp ein Fünftel (18 %) grundsätzlich keine Kinder. Von den unter 25-Jährigen geben 13 Prozent an, keine Kinder zu wollen. Je älter die Frauen, desto höher ist der Anteil an Frauen ohne Kinderwunsch, bei den über 40-Jährigen sind es 70 Prozent.
Auch unter den Müttern ist die Familienplanung vielfach abgeschlossen. Besonders bei Frauen mit zwei oder mehr Kindern überwiegt der Wunsch, kein weiteres Kind zu bekommen (67 bzw. 71 %). Von den Müttern mit einem Kind planen 39 Prozent keine Erweiterung der Familie mehr; bei den über 34-Jährigen liegt dieser Anteil bei 58 Prozent.
Gründe gegen (weitere) Kinder variieren je nach Lebenssituation
Jüngere kinderlose Frauen nennen am häufigsten mangelnde Reife (40 %), finanzielle Unsicherheit (35 %) und Sorgen um Zukunft (34 %). Frauen mit einem Kind verweisen vor allem auf ihr Alter (36 %), Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie (34 %) und finanzielle Belastungen (30 %). Mütter mit zwei oder mehr Kindern begründen den Verzicht in erster Linie mit einer für sie bereits abgeschlossenen Familienplanung (62 %).
Ungewollte Schwangerschaften und Schwangerschaftsabbrüche
- Jede vierte Schwangerschaft war nicht beabsichtigt
- Die Reaktion auf eine unbeabsichtigte Schwangerschaft ist häufig positiv
- Ungewollte Schwangerschaften trotz Verhütung sind nicht selten
- Der Anteil ungewollter Schwangerschaften ist bei jungen Frauen höher
- Schwangerschaften bei schwieriger Partnerschaftssituation sind häufiger ungewollt
- Bei beruflicher oder finanzieller Unsicherheit sind Schwangerschaften häufiger ungewollt
- Der Anteil ungewollter Schwangerschaften steigt nach dem zweiten Kind
- Bei ungewollten Schwangerschaften zeigt sich eine Vielzahl von Gründen
- Hintergründe ungewollter Schwangerschaften verändern sich im Lebenslauf
- Die Gründe für Schwangerschaftsabbrüche verändern sich im Lebenslauf
- Bei ungewollten Schwangerschaften werden häufiger Beratungsstellen aufgesucht
Jede vierte Schwangerschaft war nicht beabsichtigt
Gut ein Viertel der Frauen ab 35 Jahren war im Laufe des Lebens mindestens einmal ungeplant schwanger; insgesamt wurden 16 Prozent aller Schwangerschaften ausdrücklich nicht gewollt. Mehr als ein Drittel dieser ungewollten Schwangerschaften trat trotz Verhütung ein, in gut der Hälfte der Fälle (54 %) wurde nicht verhütet.
Etwas mehr als die Hälfte der ungewollten Schwangerschaften (56 %) endete mit einem Abbruch. Elf Prozent der Frauen ab 35 Jahren berichten, mindestens einmal eine Schwangerschaft beendet zu haben. Die Abbruchrate lag 2024 in Niedersachsen unter dem Bundesdurchschnitt.
Lebensumstände beeinflussen Schwangerschaftsintention
Die Reaktionen auf ungeplante Schwangerschaften fallen nicht einheitlich negativ aus: 41 Prozent der Frauen, bei denen die Schwangerschaft lediglich zu früh kam, und selbst 21 Prozent der Frauen mit ausdrücklich ungewollten Schwangerschaften äußerten positive Gefühle.
Besonders häufig von ungewollter Schwangerschaft betroffen sind junge Frauen, Frauen in belasteten Partnerschaften oder schwierigen finanziellen Situationen sowie Mütter, deren Familienplanung abgeschlossen ist. Bei unter 20-Jährigen war ein Großteil der Schwangerschaften (83 %) nicht zum Zeitpunkt hin gewollt.
Instabile Lebensumstände – von beruflicher Unsicherheit über unzureichenden Wohnraum bis zu gesundheitlichen Problemen – erhöhen das Risiko ungewollter Schwangerschaften.
Gründe für Schwangerschaftsabbrüche
Die Gründe für einen Abbruch unterscheiden sich nach Alter. Frauen bis 29 Jahren nennen vor allem partnerbezogene Motive (44 %), das Gefühl, noch zu jung oder unreif zu sein (41 %) sowie berufliche Unsicherheit (24 %). Bei Frauen ab 30 Jahren stehen finanzielle Belastungen (28 %), Konflikte zwischen Beruf und Familie (27 %) sowie ebenfalls partnerbezogene Gründe (28 %) im Vordergrund.
Bei 11 Prozent der ausgetragenen Schwangerschaften wurde von Frauen in Niedersachsen eine persönliche Beratung durch eine Schwangerschaftsberatungsstelle in Anspruch genommen. Die Beratungsstellen werden häufiger aufgesucht, wenn eine Schwangerschaft ungewollt eingetreten ist. In Niedersachsen war es bei mehr als einem Drittel (36 %) der ungewollten, ausgetragenen Schwangerschaften der Fall, dass eine Beratung genutzt wurde.
Verhütung
- Das Kondom ist die am häufigsten genutzte Verhütungsmethode
- Die finanzielle Situation und die Wahl des Verhütungsmittels hängen nur begrenzt zusammen
- Der Bedarf an Verhütung ist weitgehend, aber nicht vollständig gedeckt
- Kosten spielen beim Verzicht auf Verhütung eine Rolle
- Kostenfreiheit kann zu einer Entscheidung für eine sichere Verhütung führen
- Ein Drittel der Frauen hat die „Pille danach“ bereits genutzt
Nutzung der Verhütungsmethoden verändern sich
Das Kondom ist mit 45 Prozent die am häufigsten genutzte Methode, gefolgt von der Pille (32 %), deren Nutzung jedoch gegenüber 2012 spürbar zurückgegangen ist – besonders bei Frauen unter 30. An dritter Stelle steht die Spirale (12 %). Parallel zum Rückgang hormoneller Methoden wächst die kritische Haltung: Fast sieben von zehn Frauen (69 %) stimmen der Aussage zu, dass die Pille negative Auswirkungen auf Körper und Psyche haben kann.
Mehr als ein Viertel der 20- bis 44-jährigen Frauen (27 %) verhütet derzeit gar nicht. Ein Teil davon hat keinen Bedarf, etwa weil keine sexuellen Kontakte zu Männern bestehen (37 %). Jedoch riskieren 21 Prozent der Frauen ohne Verhütung eine ungewollte Schwangerschaft. Der „ungedeckte Verhütungsbedarf“ – also heterosexuell aktive Frauen ohne Kinderwunsch, die dennoch nicht verhüten – liegt bei sieben Prozent.
Der Verhütungsbedarf hängt in Niedersachsen eng mit der finanziellen Lage zusammen
Finanzielle Hürden beeinflussen das Verhütungsverhalten spürbar. Zwölf Prozent der Frauen haben schon einmal aus Kostengründen auf die Pille oder Spirale verzichtet; unter Frauen in schlechter finanzieller Lage, die auch Sozialleistungen beziehen, sind es 19 Prozent. Jede fünfte der Frauen, die aus Kostengründen auf die Pille oder Spirale verzichtet haben, wurde mindestens einmal in einer solchen Phase schwanger.
34 Prozent aller Frauen würden ihre Methode wechseln, wenn Verhütung kostenlos wäre; bei Frauen in schwieriger finanzieller Lage liegt der Anteil bei 51 Prozent. Von den Frauen mit ungedecktem Verhütungsbedarf sagen 41 Prozent, dass sie bei Kostenfreiheit mit Verhütung beginnen würden.
„Pille danach“
Gut ein Drittel der 20- bis 44-jährigen Frauen in Niedersachsen (35 %) hat in ihrem Leben bereits mindestens einmal die „Pille danach“ genommen. Dabei gaben 23 Prozent an, die „Pille danach” einmal und 12 Prozent sie mehrmals verwendet zu haben. Der Anteil an Frauen, die schon einmal die „Pille danach“ genutzt haben, ist bei hohem Bildungsstand signifikant höher als die Anteile bei niedrigem, mittlerem und höherem Bildungsstand. In der Befragung von 2012 waren es lediglich 13 Prozent der Befragten, die angaben, die „Pille danach“ schon einmal verwendet zu haben, sodass sich ein deutlicher Anstieg verzeichnen lässt.
54 Prozent der Befragten wissen, dass die „Pille danach“ rezeptfrei in der Apotheke erhältlich ist. 20 Prozent gehen irrtümlicherweise davon aus, dass sie ärztlich verschrieben werden müsse. Weitere 25 Prozent der Frauen geben an, über eine Verschreibungspflicht nicht Bescheid zu wissen.
Bilanz im Länder- und Zeitvergleich
- Familienplanung in Niedersachsen: Einflüsse und Entwicklungen
- Regionale Unterschiede
- Familienplanung im Wandel
- Verhütungspraxis verändert sich
Insgesamt zeigt sich in Niedersachsen eine hohe Kontinuität: Gegenüber der Vorgängerstudie von 2012 ist der Anteil kinderloser Frauen nur leicht gestiegen, zugleich weist Niedersachsen mit durchschnittlich 1,58 Kindern pro Frau (2015–2024) weiterhin die höchste Geburtenrate im Bundesvergleich auf. Jedoch mehren sich Anzeichen eines Wandels: Die Option eines Lebens ohne Kinder gewinnt an Sichtbarkeit, und der Zeitpunkt der Familiengründung verschiebt sich in höhere Lebensalter.
Deutliche regionale Unterschiede
In Großstädten dominieren berufliche Orientierung und Karriereplanung, während im ländlichen Raum und in den Umlandregionen familienbezogene Lebensentwürfe stärker im Vordergrund stehen. Die räumliche Vielfalt des Landes spiegelt sich damit auch in den Mustern der Familienplanung wider. Mit vielen in eher ländlichen Räumen lebenden Frauen ist in Niedersachsen die Familienorientierung besonders ausgeprägt, dies ist zugleich ein Faktor für überdurchschnittlich hohe Geburtenraten.
Die Familienplanung steht zudem unter dem Eindruck globaler und gesellschaftlicher Entwicklungen. Internationale Krisen und die Corona-Pandemie haben Unsicherheiten verstärkt. Die zunehmende Akademisierung, vor allem unter Frauen, führt zu einer späteren Mutterschaft und verlangt nach neuen Beziehungs- und Arbeitsmodellen, inklusive einer Neuverteilung von Sorge- und Erwerbsarbeit.
Eine auffällige Spannung verläuft zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Zwar halten die meisten Frauen eine Erwerbstätigkeit auch mit Kindern für ideal, doch spiegelt sich dies in den Erwerbsverläufen von Müttern nur bedingt wider. Viele sind – entgegen ihrer Präferenzen – nicht oder nur eingeschränkt erwerbstätig, vor allem akademisch qualifizierte Frauen, was auf strukturelle Hürden bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf verweist.
Die Einstellungen gegenüber hormoneller Verhütung verändern sich
Die Nutzung der Pille ist seit 2012 stark rückläufig, besonders bei jungen Frauen. Kritische Haltungen gegenüber hormoneller Verhütung nehmen zu und beeinflussen die Wahl der Methoden. Mit den aktuellen „frauen leben 4“-Daten kann gezeigt werden, dass eine Mehrheit von 69 Prozent der 20- bis 44-jährigen Frauen in Niedersachsen der Aussage, dass Verhütung mit der Pille negative Auswirkungen auf Körper und Seele hat, eher oder vollkommen zustimmt. Auch die Hälfte der Frauen, die selbst aktuell mit der Pille verhüten (49 %), stimmt dieser Aussage eher oder vollkommen zu, was auf Dissonanzen zwischen der Einstellung zu und der Anwendung von hormonellen Verhütungsmitteln hinweist.
Hintergrund und Ziel der Studie
Die repräsentative Studie frauen leben 4 – Familienplanung im Lebenslauf untersucht, wie Frauen zwischen 20 und 44 Jahren heute ihr Leben im Spannungsfeld von Kinderwunsch, Beruf, Partnerschaft und reproduktiver Gesundheit gestalten. Sie ist Teil einer bundesweiten Studienreihe, die 2024 in Baden-Württemberg, Berlin, Niedersachsen und Sachsen vom Sozialwissenschaftlichen Forschungsinstitut zu Geschlechterfragen Freiburg (SOFFI F) durchgeführt wurde.
Ziel der Studie ist es, Einstellungen, Erfahrungen und Entscheidungsprozesse rund um Familiengründung, Verhütung und Erwerbstätigkeit differenziert abzubilden – nicht nur im Querschnitt, sondern auch im Zeitvergleich mit früheren Erhebungen (frauen leben 3, 2012). Dabei wird Familienplanung nicht als linearer Planungsprozess verstanden, sondern als dynamischer Aushandlungsprozess, beeinflusst von Lebensphasen, gesellschaftlichen Bedingungen und persönlichen Umständen.
Die Studie kombiniert quantitative Befragungen (n = 1.889 Frauen in Niedersachsen) mit qualitativen Interviews und erlaubt so differenzierte Einblicke in reproduktive Lebensverläufe.